Ein_Mitleser
| 2012-06-18 20:56 4186 | Vorweg: Ich selbst bin kein Missbrauchsopfer. Jedoch habe ich innnerhalb des letzten Dreivierteljahres von zwei Menschen mitgeteilt bekommen, dass sie als Kind sexuell missbraucht wurden. Bei zwei weiteren überlege ich noch, ob ich sie darauf hin anspreche, da ich bei ihnen aufgrund der Gesamtumstände und meiner Wahrnehmungen einen Verdacht in diese Richtung hege. Das Alters-spektrum reicht von 17 bis 41 Jahren. Die (möglichen) Opfer sind männlich wie weiblich. Bezüglich der beiden mir bereits offenbarten Missbrauchsfälle handelt es sich, was die Täter betrifft, um den eigenen Vater bzw. Stiefvater.
Was mich wundert, ist die Tatsache, dass mir dies als jemandem mitgeteilt wurde, der weder ein völlig Fremder ist, den man hinterher mit Sicherheit nie wieder sieht, noch ein enger Freund, mit dem Mann/Frau bereits ein Vertrauensverhältnis unterhält. Die Frage, die ich mir immer wieder gestellt habe, lautet: Mit welcher Erwartungshaltung respektive warum haben sie es mir erzählt?
Ich hatte meine Unterstützung im Rahmen der mir gegebenen Möglichkeiten angeboten. Sie hatten jedoch kein Interesse daran signalisiert. Die Körpersprache war für mich eindeutig genug: Es war eine Mischung aus Scham und der Bitte, nicht wieder damit konfrontiert zu werden. Ich habe diesem latent geäußerten Wunsch entsprochen. Das spezielle Thema ist für mich bei Begegnungen mit den beiden inzwischen tabu. Dennoch würden mich die Hintergründe des Missbrauchs, die familiären und sozialen Konstellationen, das Denken und Fühlen hinter dem errichteten Schutzwall gegen die Außenwelt sowie die Kompensationsmechanismen interessieren. Und ich habe schon das Bedürfnis zu helfen, weiß aber auch, dass diese Unterstützung letzen Endes nur indirekter Natur sein könnte, da ich kein Therapeut mit Erfahrung auf diesem Gebiet bin.
Ich wünsche allen Betroffenen viel Mut und Kraft, aber vor allem ein glückliches und selbstbestimmtes Leben. |
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