Uwe
| 2001-12-15 20:31 1884 | Tja, wo fang ich an? Am Ende oder am Anfang? Das Ende jedenfalls ist ein Leben voller quälender Erinnerungen, Schmerz und Trauer. Ein Leben, das abgeht wie ein Auto mit angezogener Handbremse, mit stotterndem Motor und ohne Heizung - nur um im Bild zu bleiben. Als ich 8 (?) war, wurde ich erstmals missbraucht. Dem voraus ging eine Kleinkindzeit voller Entbehrungen. Meine Mutter schob mich ab zu Verwandten und Freunden. Ein zuhause oder so kannte ich nicht wirklich. Naja egal. Zwischen dem 8. und 15. Lebensjahr erfuhr ich Missbrauch, Schläge und mehr. Dutzende von Malen, mit unterschiedlichen Männern. Bis ich eines Tages dann doch endlich mal soweit war NEIN sagen zu können. Geglaubt hat mir niemand. Nicht als ich weglief oder versuchte mich umzubringen. Nicht als ich ein Auto klaute und gegen die Wand fuhr, nicht als ich log, stahl, betrog, trank, in der Schule versagte und vereinsamte. Als junger Erwachsener spürte ich immer mehr die Auswirkungen dieser "Jugendzeit", die doch angeblich so unbeschwert ist. Naja, diesen Traum haben mir Erzieher, Heimleiter, Lehrer, Verwandte und andere Männer ein für alle mal geraubt. Missbrauch ist nur ein Einzelfall? Eine Randerscheinung der Gesellschaft? Nein, wenn im Leben eines kleinen Jugen mindestens 12 Männer das tun, noch dazu Männer, denen ich anvertraut war, dann ist das keine Randerscheinung sondern Normalität. Naja, ich brauche den meisten hier wohl kaum zu schildern wie es mir ging und noch geht. Aber eines ist doch bei alledem erschütternd: Nicht nur, dass mir damals niemand glaubte oder half. Auch heute als Erwachsener stoße ich auf Ablehnung und Unverständnis. Ich habe versucht bei 6 (!) Therapeuten einen Termin zu bekommen. Das Ergebnis? Einer meinte, er setzt mich auf eine Warteliste (6 Monate) und meldet sich wieder. Die anderen 5 reagierten nichtmal auf den Anruf oder auf eMails. Und wieder einmal bewahrheitet sich das, was ich als Kind schon erfahren habe: Die Menschen, die mir eigentlich helfen sollen, lassen mich allein. Aber ein trauriges Bild es auf jeden Fall :-( Hey, nicht ich habe wen missbraucht. Ich bin das Opfer! Hallo? Irgendjemand da? Ich Opfer, nix Täter, kapiert?! Vor einigen Jahren stieß ich im Internet auf Fotos von Opfern. Ich sah sie mir an und erschrack. Ich sah mich selbst in den Bildern. Nun, langer Rede kurzer Sinn. Irgendwann stand die Polizei vor meiner Tür und beschlagnahmte den PC. Ich wurde vor Gericht gestellt, weil auf der Festplatte solche Bilder waren. Ich versuchte zu erklären warum sie dort waren, was mir passiert ist und was ich darin gesehen habe. Es half nichts. Niemand verstand das, niemand hörte zu. Niemand fragte was damals mit mir passiert ist. Ich wurde zu einer hohen Geldstrafe verurteilt und der PC eingezogen.Der Arzt in der Klinik, in der ich landete sagte mir, dies sei eine ganz normale Reaktion gewesen. Um sich mit Erlebten auseinanderzusetzen. Aber was war wirklich passiert? Ich wurde vom Opfer zu, Täter gemacht. Tja, so geht es einem, der auszog ein Mensch zu werden.
Viele Grüße Uwe
PS: Ich wollte im Forum schreiben, aber ich bin nichtr registriert. |
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