ChiaraAnna
| 2001-03-11 13:41 553 | Und Gott sprach, es werde Licht; und es ward Licht. Dann schied Gott das Licht von der Finsternis und erschuf so den Tag und die Nacht und er sah, dass es gut war. Doch für eins war er blind: Als er Licht und Finsternis trennte, trennte er auch Gut und Böse; schuf Gegensätze, die ohne das Andere, ohne den Zweiten nicht existieren konnten; nicht zu lösen waren. Und in mitten dieser Gegensätze ward ich geboren, ein Dämon, lautlos und grausam, Herr der Finsternis, Ausgeburt der Schatten und Gebieter der Nacht. Doch Gott ward sich dessen nicht bewusst. So wurd’ es Abend und es wurd’ Nacht und der erste Tag war vorbei. Doch in der Nacht sammelte ich Kraft, bis dass der Morgen kam.
Und Gott sprach, es werde eine Ausdehnung zwischen den Wassern der Erde. Und er teilte die Wasser in die oberen Wasser, die über der Ausdehnung dahinflossen, und in jene, die darunter waren. Die Ausdehnung aber nannte Himmel, und er sah, dass es gut war. So wurd’ es Abend und es wurd’ Nacht und er zweite Tag war vorbei. Doch in dieser Nacht ruhte ich nicht. Ich sammelte das Blut der kommenden Seelen und goss es in die oberen Wasser, sodass der Abend, die Nacht und der Morgen nicht blau wie das Wasser, sondern rot waren; rot vom Blut. Und es wurde Morgen und es ward Tag und der Himmel war rot. So verging die zweite Nacht.
Und Gott sprach, es teilen sich die unteren Wasser an einer Stelle und das Land erhebe sich, und so ward es. Und da dieses Land noch karg und öd’ war und nichts sich darauf befand, als Steine, so schuf Gott die Pflanzen am Lande. Es spross Gras aus der Erde und es wuchsen Sträucher und Bäume mit Früchten, die ihren Trägern entsprachen. Und Gott sah, dass es gut war. So wurd’ es Abendrot und es wurd Nacht und der dritte Tag war vorbei. Und wieder Konnte ich nicht ruhen. Ich flog umher, suchte noch kahle Flecken Erde, grub da, wo ich welche fand, Schächte und legte Feuer unter die Oberfläche; ein Feuer, das ewig brennt und alles in Schutt und Asche legt, wo es ans Tageslicht tritt. Und es wurde Morgen und es ward Tag und die Erde brannte. So verging die dritte Nacht.
Und Gott sprach, es sollen Lichter in er Ausdehnung der Himmel werden. Sie sollen der Einteilung der Zeit dienen und auch als Licht zwischen den oberen und unteren Wassern. Dann schuf Gott zwei große Lichter, ein helles für den Tag und ein schwächeres für die Nacht. Und er sah, dass es gut war. So wurd’ es Abend und es wurd’ Nacht und der vierte Tag war vorbei. Und in dieser Nacht fand ich Ruhe im Schein des schwachen Lichtes Lunas. Diesen Namen gab ich Gottes Licht für die Nacht, da es mein Reich mit seinem silbernem Antlitz schwach erhellte. Und ich machte es mir zu eigen. Und es wurde Morgen und es ward Tag. So verging die vierte Nacht.
Und Gott sprach, die Wasser sollen ein Gewimmel lebender Seelen hervorwimmeln und fliegende Geschöpfe mögen an der Vorderseite der Ausdehnung zwischen den Wassern über die Erde fliegen. Da ging er daran, die großen Seeungetüme zu schaffen und die Geschöpfe der Luft und jede Seele nach ihrer Art. Als es vollbracht war, sah er, dass es gut war. So wurd’ es Abend und es wurd’ Nacht und es ging der fünfte Tag vorbei. Doch diese Nacht schien Luna nicht für mich, da Gottes Schaffen am Tage große Wolkenmassen am Himmel aufkommen ließ. So zog ich wieder umher, ohne Ruhe, und ich erschuf wesen ohne Seelen; welche die Seelen anderer raubten, und verbarg sie in den tiefsten Tiefen der Erde und des Wassers. So es wurde Morgen und es ward Tag. So verging die fünfte Nacht.
Und Gott sprach, die Erde bringe lebende Seelen nach ihren Arten hervor; Haustiere und wildlebende Tiere. Und Gott sprach weiter, er werde Menschen schaffen nach seinem Bilde. Und diese sollen sich untertan machen die Erde und alles lebende und alle Pflanzen, die auf ihr sind. So erschuf Gott den Mann und sah, dass er gut war. So wurd’ es Abend und es wurd’ Nacht und der sechste Tag ging vorbei. Doch während Gott die Tiere der Erde machte, raubten meine Kreaturen seinen Meeresgeschöpfen ihre Seelen und trugen sie zu mir. Diese sammelte ich in der Nacht um mich und formte Geschöpfe der Finsternis, Leben in seiner schwärzesten Art, das Luna ebenso verehrt, wie ich; und da sah ICH, dass es schön war. Doch nahm ich nicht alle Seelen. Die schönste und hellste unter ihnen hob ich auf und formte aus ihr, nach dem Ebenbild meiner Liebe zu Luna und meines inneren Feuers, einen Menschen, ganz anders, als Gottes Mann. Die Seele, die ich formte, war viel graziöser, edler, mit weichen Formen und voll Anmut und Schönheit. Ich hauchte ihr List und Geistesstärke ein, auf dass sie den Mann beherrschte. Und auch da sah ich, dass es schön war. Und es wurde Morgen und es ward Tag. So verging die sechste Nacht.
Am siebten Tage ruhte Gott und in der Nacht darauf ruhte auch ich im Schein Lunas. Doch war dieses erst der Beginn. Denn fürchterlich führ’ ich mein Regiment der Schatten und der Angst, denn auch diese ist mein, solange die Freude bei Gott liegt. Nur die Liebe ist ein Geschenk von mir und nicht von Gott, der mich schuf ohne sein Wissen, am ersten Tage.
So leb ich seit Anbeginn der Zeit unter den Geschöpfen Gottes; und alles, was er schuf, alles das war gut, bis auf mich; Geschöpf aus Schatten und Nacht,
Ich Luzifer.
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genießt es und ergötzt euch daran. |
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