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Mädchen? – Junge?


missbraucht wurde

ein wehrloses KIND!


In den fast 7 Jahren seit Bestehen von Schotterblume haben auch langsam mehr und mehr Männer Rat und Hilfe gesucht, Männer, die als kleine Jungen oder als Jugendliche sexuell missbraucht wurden. Wenige der Männer, die mit mir über ihre schlimmen Erlebnisse gesprochen haben, hatten bereits den ein oder anderen zaghaften Versuch hinter sich, ihre innere Qual irgendwie und irgendwo loszuwerden und dabei ist ihnen fast immer nur Ratlosigkeit, Hilflosigkeit, Ohnmacht und auch Abwehr entgegengekommen, sind ihnen durchaus auch schon Türen von kompetenten Stellen vor der Nase zugeschlagen worden, fast so als hätte man dort Angst vor männlichen Missbrauchsopfern.
So etwas darf nicht geschehen und darum ist es mir eine ganz besondere Herzensangelegenheit, auch darüber immer wieder zu reden, darüber, dass auch Jungen Opfer sexueller Gewalt werden und dringend Hilfe brauchen, auch, wenn sie mittlerweile erwachsen geworden sind.
Bei männlichen Opfern war der Täter, wie so oft, selten ein vollkommen Fremder, sondern fast ausschließlich im nahen Umfeld zu finden.
Ein enger Bekannter der Familie, ein Nachbar oder eine Vertrauensperson wie der Schwimmlehrer, der Tischtennistrainer, der Ausbilder der Messdiener, der Pfarrer, oder die Betreuerin eines Ferienlagers - Erwachsene, die sich gezielt über die oft ausgehungerte Seele, des kleinen Jungen Zugang zu seinem Körper verschafft hatten. Es waren durchaus aber auch hier Großväter, Väter, Brüder oder Mütter.
Standen zu Beginn von Schotterblume ca. 100 hilfesuchenden Frauen in unserer Beratungsstelle im Jahr nur 8 Männer gegenüber, so sieht das heute ganz anders aus. Etwa die Hälfte der Hilfesuchenden sind mittlerweile Männer!
Der Missbrauch an Jungen ist also demnach also gar nicht so selten? Mit Sicherheit nicht, die Jungen und Männer müssen nur eine Stelle finden, an der ihnen geglaubt wird.
Warum aber überhaupt eine Unterscheidung der Sexuellen Gewalt an Mädchen und Jungen?
Ganz sicher sind die Problemstellungen vergleichbar, wenn es beispielsweise darum geht, mit einem Anfangsverdacht umzugehen oder im Falle einer Verdachtserhärtung die Zusammenarbeit verschiedener Stellen so zu gestalten, dass für das Mädchen oder den Jungen die Missbrauchssituation beendet werden kann. Auch die kindlichen Signale und späteren Folgeerscheinungen sind recht ähnlich.
Jungen versuchen ihren Missbrauch allerdings häufig eher durch aggressives Verhalten zu verarbeiten, was einem braven Mädchen ja sowieso verboten ist. Jungen wird in unserer Gesellschaft immer noch ein Männerbild vermittelt, das von ihnen Stärke, Überlegenheit und Durchsetzungsvermögen verlangt. Und dadurch wird nicht selten erreicht, dass ein Junge sich selbst und seine gesunden Gefühle verliert, nur um männlich zu sein.

  • Ein Junge ist eben kein Opfer, erst recht kein Opfer von sexueller Gewalt.
  • Ein Junge wehrt sich, sonst ist er kein richtiger Junge
  • Ein Junge hat alles unter Kontrolle
  • Ein Junge ist ein Held - und ein Mann erst recht.
  • Arme kleine und große Helden kann ich da nur sagen!

Die Selbstmordrate ist bei Jungen übrigens 4 mal höher als bei Mädchen. Warum wohl? Mädchen sind einfach eher bereit zu reden und sich Hilfe zu suchen, weil IHNEN ist so etwas erlaubt!

Der wesentlichste Unterschied liegt demnach in der Schwierigkeit der Jungen und Männer, Hilfe anzunehmen. So etwas ist leider, wie gesagt, durch die Erziehung in der Regel eines der schwierigsten Dinge für einen Mann ganz allgemein. Selbst zu nahestehenden Menschen zu sagen: „Hilf mir, ich schaffe es nicht mehr allein“ - für die meisten ein fast unmöglicher Gedanke.
Männer lernen von Beginn an, dass es unterschiedliche männliche und weibliche Eigenschaften und Verhaltensweisen gibt und dass die auch unterschiedlich bewertet werden.
Es gibt Dinge, die Jungen und damit auch Männer nun mal nicht tun - sondern nur Frauen.
Diese Unterscheidungen erhöhen ganz eindeutig die Schwierigkeiten männlicher Sexualopfer.
Das früh trainierte harte männliche Gebot der Überlegenheit und Stärke steht in der Regel dann beim erwachsengewordenen Opfer später jahrzehntelang wie eine Mauer zwischen dem Mann und seinen verletzten Kindheitsgefühlen, die er so gerne aussprechen würde. Doch weil er ein richtiger Mann sein möchte, darf er das nicht tun. Was macht er denn statt dessen mit seinen bohrenden Schmerzen, mit seinen Scham- und Schuldgefühlen, mit dieser innen tickenden Zeitbombe der Erinnerungen?
Er kann das Geschehene umdeuten oder vor sich selbst herunterspielen: „Das war doch alles gar nicht so schlimm,” oder „das hat mir eigentlich nichts ausgemacht“.
Sein Problemlösungsverhalten endet durchaus auch an irgendeiner Bar oder mit der Waffe in der Hand.
Oder können Sie sich erinnern, in welchem erfolgreichen Kinofilm der Held eine Beratungsstelle aufgesucht hat?
Lieber kämpft und leidet Mann still vor sich hin, wenn es sein muss jahrzehntelang. Scham- und Schuldgefühle, weil sie sich haben missbrauchen lassen, sind bei Männern deutlich stärker ausgeprägt.

All das führt dazu, dass es Jungen und Männern fast unmöglich erscheint, über erlittene sex. Gewalt zu sprechen.
Wie soll dann ein Mann seine ihm so früh verbotenen Gefühle bloß später wieder finden, erst recht, wenn sie verletzt wurden?
Wenn Mann dann wirklich fachliche Hilfe sucht, ist es nicht selten eine Minute vor 12 !
Wie sollte jetzt aber die therapeutische Hilfe für betroffene Männer aussehen, die nach langen Jahren des Schweigens Hilfe suchen?
Grundlegend dazu möchte ich zuerst einmal sagen, dass es Zeit wird, dass die Versorgung der seelischen Verletzungen einen gleichen Stellenwert bekommt wie die medizinische Versorgung körperlicher Verletzungen und Krankheiten.
Über die Grundsätze und Besonderheiten der therapeutisch - beraterischen Arbeit mit sexuell missbrauchten Männern liegen logischerweise bisher nur spärliche Erkenntnisse vor.
Aber sicherlich brauchen männliche Opfer wohl mehr als weibliche eine besondere Hilfe VOR der Therapie, die ihnen ermöglicht, ihr anerzogenes Rollenbild zu durchbrechen -Therapie und damit Hilfe überhaupt anzunehmen. Zum Glück gibt es mittlerweile doch schon zahlreiche Männerberatungsstellen, die sich dieser Thematik angenommen haben (Adressen: siehe Schotterblume- Datenbank).
Bei Schotterblume werden sowieso keine Unterscheide gemacht.
Männer können genauso auf unseren Seiten schreiben, alle Hilfsangebote nutzen, zur Beratung kommen, zur Therapie, zu den SH-Gruppen und den großen Treffen...


Dagmar Minor


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