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Das erwachsengewordene Opfer


Zeitbombe

Du steckst Deine Schmerzen,
Deine Qualen, Deinen Ekel,
deine Erinnerungen
erschrocken in einen Karton
und schnürst ihn fest zu, ganz fest,
damit nichts mehr darin atmen kann
und Du hoffst, dass alles erstickt.
Doch wann wirst Du merken,
dass in dem Karton
eine Zeitbombe tickt?

(Dagmar Minor)

Ich bekam neulich einen Fragebogen geschickt. Es ging um eine Studie.
Ich sollte ankreuzen, wie viele Kinder und wie viele Jugendliche, die Missbrauchsopfer geworden sind, in unsere Beratungsstelle kommen und bei uns Hilfe suchen.
Etwas erstaunt saß ich über diesem Bogen, legte ihn dann beiseite und teilte dem Forschungsinstitut mit, dass die Menschen, die bei uns Hilfe suchen, in der Regel „erwachsengewordene Opfer“ sind.
Wieso das so ist, brauche ich den Betroffenen nicht zu erzählen, aber den Menschen, die nicht sofort nachvollziehen können, weshalb ein missbrauchtes Kind in der Regel nicht darüber spricht, nicht darüber sprechen kann und wieso es das meist erst Jahrzehnte später tut.

Kinder reden nicht weil
  • sie Angst haben, keiner glaubt ihnen
  • sie unter massiven Druck gesetzt werden
  • sie den Täter, die Täterin lieben
  • sie den Täter, die Täterin schützen wollen
  • sie ihre Familie behalten wollen
  • sie die traumatischen Erlebnisse verdrängt haben
  • sie das Erlebte abgespalten haben, um überleben zu können

Groß ist die Chance sofort darüber reden zu können für ein Kind lediglich dann, wenn der Täter oder die Täterin ein völlig fremder Mensch ist. Dann wird das Kind sich vermutlich den Eltern anvertrauen, sofern es denn Vertrauen zu ihnen hat und aus Erfahrung weiß, dass sie ihm zuhören, es ernst nehmen, ihm glauben und Trost spenden.
Diese Kinderseele wird vermutlich relativ schnell heilen, keine jahrzehntelangen Folgeerscheinungen werden das weitere Leben vergiften.

Doch leider sieht es in dem meisten Fällen ganz anders aus. Grausamerweise ist der hauptsächliche Tatort ausgerechnet da, wo sich Kinder am sichersten fühlen sollten - in der eigenen Familie !!! Und Täter oder Täterinnen sind nahe Angehörige, nein, mehr noch, Menschen, die das Kind liebt und die genau diese Liebe und das Vertrauen des Kindes für ihre eigenen Bedürfnisse ausnutzen.
Was sind das für Familien, in denen so etwas Fürchterliches wie Missbrauch geschieht?
Es sind Familien aus allen sozialen Schichten, aber es sind auf jeden Fall gestörte Familien, Krisenfamilien.
Durchaus können diese Familien aber nach außen hin vollkommen intakt, ja sogar besonders harmonisch erscheinen. Familien mit sog. großem Namen und Gutem Ruf sein. Es sind aber häufig Familien mit sehr autoritärer Struktur, mit strengen Familienregeln, in denen ein starkes Machtgefälle herrscht und über bestimmte Dinge nicht gesprochen wird. Schwierigkeiten der einzelnen Familienmitglieder sind kein Thema. Gefühle werden nicht benannt. Es herrscht emotionale Sprachlosigkeit.

Schweigen, Vergessen, Verdrängen –
sind tabu-unterstützende Regeln aller gestörten Familien.


Wo war die Mutter? Warum hat sie das Kind nicht geschützt? Wo liegt ihre Schuld?
Fragen mich so viele Menschen immer wieder.

Oft wird der betroffenen Mutter vorgeworfen, sie habe ihr Kind nicht genügend geschützt. Ihr wird zur Last gelegt, dass sie den Missbrauch hätte verhindern oder zumindest früher bemerken sollen. Inzest-Opfer sind deshalb oft ein Leben lang wütend auf die Mutter, die sie nach ihrer Vorstellung im Stich gelassen hat.
Sie können nicht glauben, dass Mutter nichts mitbekommen hat und häufig kommen die Mütter auch beim Urteil durch die Umwelt schlecht weg - noch schlechter als der Täter.
Warum lässt eine Mutter das zu? Wie konnte sie das übersehen? Wieso hat das Kind sich ihr nicht anvertraut? Hat sie den Missbrauch vielleicht sogar unterstützt, ihn gewollt, damit sie selbst nicht mehr zur Verfügung stehen muss? – Das sind weitere Fragen.
Es ist allerdings ein menschliches Phänomen, dass Wahrnehmungen, mit denen wir nicht umgehen können, abgewehrt oder umgedeutet werden.
Ohnmachtsgefühle, Überforderung und Unfassbarkeit der Tat verhindern durchaus, dass der Missbrauch wahrgenommen und angesprochen wird.
Sehr häufig haben übrigens Mütter auch selbst Missbrauchserfahrungen in ihrer Kindheit gemacht, die sie sorgsam verdrängt halten, und nichts, was sie daran erinnert, lassen sie an sich herankommen. Sie leiden noch immer an der Blindheit ihrer eigenen Kindheit gegenüber und sind so auch blind für die Signale ihrer Kinder.
Natürlich gibt es auch Mütter, die von dem Missbrauch ihrer Kinder wissen, es zumindest ahnen. Lässt eine solche Mutter ihr Kind dennoch wissentlich im Stich, wird sie zur Mit-Täterin, egal, welche emotionalen Verstrickungen hier die Ursache sind.
Auch Scham - und Schuldgefühle halten viele Frauen davon ab, selbst bei bestätigtem verdacht sexuellen Missbrauchs an den eigenen Kindern, Konsequenzen für sich und ihre Kinder zu ziehen.
Deshalb ist es ganz wichtig, gerade diese Mütter zu bestärken, für ihre Kinder zu handeln.

Nicht verschweigen will ich allerdings, dass es auch Frauen und eben Mütter gibt, die Kinder sexuell missbrauchen und auch Fälle in denen Frau und Mann gemeinsam solche Taten begehen.
Hier herrscht mit Sicherheit eine ganz große Dunkelzone – mir selbst werden allerdings immer mehr dieser Vorkommnisse bekannt, in denen auch Großmütter, Mütter und Schwestern zu Sexual-Täterinnen an Jungen UND Mädchen geworden sind. Die neueste Statistik benennt einen Täterinnen-Anteil von fast 20%.

Der Täter, die Täterin in der eigenen Familie.
Wem sollte das Kind sich also anvertrauen? Wer würde ihm DAS glauben?
Außerdem liebt es den Täter, die Täterin meist trotz allem, will diesen Menschen nicht verlieren, will die Familie nicht verlieren.
Die Familie ist kein sicherer Ort, aber das Kind hat keinen anderen!
Manchmal ist auch körperliche Gewalt als Druckmittel im Spiel, ist aber meist „gar nicht nötig“ denn es wird Liebe, Vertrauen und Bewunderung des Kindes für die eigenen Zwecke ausgenutzt. Gerade dieser Missbrauch unter dem Deckmantel der Liebe wird deshalb von anderen selten bemerkt. Natürlich werden auch Respekt und Angst eingesetzt, denn alle Täter/innen befehlen dem Kind, zu schweigen, oft verbunden mit den unglaublichsten Drohungen, die das Kind bitter ernst nimmt.
Es herrscht auf jeden Fall immer ein Macht- oder Kompetenzgefälle.
Also einmal sex. Missbrauch gekoppelt mit scheinbarer Liebe und einmal Missbrauch gekoppelt mit Gewalt. Immer aber eine vollkommene Verwirrung der kindlichen Gefühle!

Gefühle, die ein Kind absolut nicht einordnen kann, es verliert die Kontrolle, die Sicherheit in die Familie und damit in die ganze Welt, es verliert die Geborgenheit.
Kinder entwickeln immer Überlebensstrategien, um mit seelischen Erschütterungen fertig zu werden.
Kann das Kind sich weder verteidigen, noch flüchten - und welches Kind kann das schon? – sind traumatische Folgen unvermeidbar.
Meist werden diese unbegreiflichen Erlebnisse und Gefühle, mit denen ihre Psyche natürlich vollkommen überfordert ist, dann erst mal schnellstens verdrängt.
Diese Verdrängung ist für viele, selbst für die Betroffenen, schwer oder gänzlich unmöglich nachzuvollziehen.
Bei den möglichen Gedächtnislücken, hervorgerufen durch einen Unfallschock sind wir alle weitaus weniger zweifelnd.
Dabei hat die Verdrängung eines Missbrauchserlebnisses genau den gleichen Hintergrund und ist ein wirklich gnädiger Schutzmechanismus der Seele, auch dieser grauenhafte Schock, diese Erinnerungen werden aus dem Bewusstsein verbannt, scheinbar vergessen, aber eben nur scheinbar...
Die Erinnerungen werden fragmentiert, also aufgespalten in einer bestimmten Hirnregion in Sicherheit gebracht und sind oft lange gar nicht bewusst zugänglich.
In Wirklichkeit sind diese verdrängten Erinnerungen aber Zeitbomben, die ständig im Unterbewusstsein ticken und wenn sie nicht entschärft werden, explodieren sie in der Regel eines Tages - und das ist grauenhaft.
Eine weitere Überlebensstrategie ist die des Abspaltens, d.h. das Kind verlässt seinen eigenen Körper, lässt ihn als seelenlose, gefühllose Hülle zurück - auch das ist eine Flucht vor dem Erlebten.
In allergrausamsten Fällen, oft bei in allerfrühster Kindheit erlittener und bei ritueller Gewalt, spaltet sich die Persönlichkeit des Kindes in unzählig viele Einzelteile, die nichts mehr voneinander wissen.
Es ist so, als würden die grausamer Erinnerungen in vielen einzelnen Schubladen aufbewahrt, als ein ganzes wären sie nicht auszuhalten.
All das stellt den Versuch dar, das verletzte Innere zu schützen.
Diese lebensrettenden Funktionen, später ja nicht mehr benötigt, wandeln sich, wenn sie nicht aufgelöst werden, beim erwachsenen Menschen allerdings in eine zerstörerische Macht,
Eine alte Not-Programmierung, die, wie gesagt, einst beim Überleben geholfen hat, ist mittlerweile schädlich geworden, blockiert das heutige Leben, das Fließen der Lebendigkeit. Diese Programmierung muss überschrieben werden, denn löschen kann man sie leider nie mehr.

Das Trauma ist für die unzähligen Opfer also noch lange nicht zu Ende, wenn der Missbrauch aufhört.
Die oft verheerenden Langzeitfolgen durchdringen das ganze weitere Leben, das Selbstwertgefühl, nahe Beziehungen, Sexualität, Mutterschaft, Vatersein, Gesundheit, Arbeitsleben, das Verhalten - Tag für Tag. Und glauben Sie mir, viele Opfer sterben jahrzehntelang auf Raten.

Denn wenn ein Kind wie so oft, keinen Retter gefunden hat, verdrängt es die Erlebnisse, die Schmerzen, und die berechtigte Wut und die Trauer auch
weiterhin - und in dieser verdrängten Form wuchert all das auch im Erwachsenenleben unkontrolliert weiter, oft bis zur totalen Zerstörung.
„Vergiss es doch einfach“ und „Das ist doch schon so lange her" sind schlechte Ratschläge, denn Unterdrückung der Gefühle kann nicht ohne schwerwiegende Folgen bleiben.
Zeit heilt diese Wunden nicht!

Immer wiederkehrende grauenhafte Albträume, Panikattacken, Schlafstörungen, Essstörungen, Abhängigkeits-Erkrankungen, Angst-Störungen ,Autoaggression, Beziehungs-, Sexual-, Sprach-Störungen, Ängste, Zwänge, Phobien, Psychosen, Schlafstörungen, Persönlichkeitsstörungen- und Spaltungen, Gedächtnisstörungen- Amnesien, Depressionen, Aggressionen sind nur einige davon.
Auch der Körper spricht jetzt eine immer deutlichere Sprache, reagiert auf die Verdrängung, die erstarrten Energien, mit massivsten Störungen wie Migräne, Asthma, Sehstörungen, Ohnmachtsanfällen, Herzattacken, Hauterkrankungen, Magengeschwüren, Epilepsie, Lähmungen, Blutungen.
Meist aber leider nur mit dem Ergebnis, dass der gequälte Mensch eine Odyssee durch sämtliche Arztpraxen unternimmt, unzählige Pillen schluckt, alle teuren Wunderheiler aufsucht, letztendlich aber immer wieder zu hören bekommt, er sei vollkommen gesund und er am Ende, wie so oft, an seinem Verstand zweifelt.
All das genannte sind Folgen, aber auch Schutzprogramme, eine Meisterleistung der Seele, denn sie haben, wie auch immer, das Überleben ermöglicht.
Andererseits handelt es sich durchaus auch um unbewusste Ausweichmanöver, denn Krankheiten, Süchte und ungesunde Beziehungen zu anderen Menschen in die alte Kindheitswunde zu stecken, damit ich den eigentlichen Schmerz nicht wahrnehmen muss, verhindern allerdings auch, dass ich die Wunde wirklich betrachten, säubern, verarzten und sorgsam vernähen kann, damit sich eine gesunde Narbe bildet.
Es nützt nichts, dem inneren stummen Kind mit all diesen Dingen den Mund zu stopfen - es muss reden und fühlen dürfen.
In der Kindheit liegen die Wurzeln unseres Lebensbaums und wenn dieser Baum später krank ist, keine Früchte trägt, wenn die Blätter nicht grün werden, wenn die Rinde abfällt und die Äste immer wieder verdorren, dann nützt es doch auch nichts, die Blätter blankzureiben, die Rinde wieder anzukleben, die Äste zu reparieren oder gar künstliche Früchte hineinzuhängen.
Wir sollten uns schon die Wurzeln anschauen und herausfinden, was da nicht in Ordnung ist.
Dabei ist es allerdings nicht nötig, jede kleinste Wurzel auszugraben, d.h. jedes Detail der traumatischen Erlebnisse.
Wichtig ist die bewusste Entscheidung zur Heilung, ansonsten geht nichts.
Betroffene Menschen brauchen einen Schutzraum dafür und benötigen Helferinnen und Helfer, die liebevolle Begleitung anbieten, die gerechtfertigte Wut, Angst und Traurigkeit erlauben und Trost spenden.
Zunächst wird gemeinsam Sicherheit und Stabilität geschaffen, erste und wichtigste Grundlage für die spätere Traumaarbeit. Erst dann kann der Mensch die unverarbeiteten Geschehnisse rückwirkend erlebnisfähig und damit einer Verarbeitung zugänglich zu machen, damit das Trauma nicht mehr weiterhin abgewehrt werden muss, die alten Schutzfunktionen nachlassen und schrittweise überflüssig werden können.
Es geht dabei aber nicht darum, etwas loszuwerden, rauszulassen, sondern die abgespaltenen Kindheitserlebnisse- und Gefühle in die gesamte Lebensgeschichte zu integrieren und sie zu akzeptieren um sich so neu orientieren zu können.
Damit die Erinnerungen und Gefühle den hilfesuchenden Menschen nicht in die Tiefe reißen oder vollkommen überschwemmen, kann er unter einfühlsamer Begleitung Methoden erlernen, selbst zu dosieren, wann und wie viel er sich anschauen möchte und muss nicht mehr hilflos ausgeliefert sein.

Therapie ist also etwas anderes als bloße Wiederholung des Elends der Kindheit oder ständiges Herumrühren in alten Schmerzen, Therapie kann ein spannender und sehr kreativer Prozess sein.
Die Vergangenheit ist nicht mehr veränderbar. Die Folgen im Heute allerdings durchaus.

Das grobe Therapieziel ist es also, realisierbare Veränderungsmöglichkeiten für schädigende Verhaltensweisen zu finden und Handlungsabläufe, sie zu stabilisieren und zu generalisieren, also sie nicht nur zu kennen, sondern auch leben zu können.
Die Heilung ist oft wie ein Wunder, aber ein langsames und ein selbst erarbeitetes.
Ohne therapeutische Begleitung aber ist eine Heilung kaum möglich.
Allerdings will ich die katastrophale therapeutische Unterversorgung für diese Thematik nicht verschweigen.
Trauma-spezialisierte Fachleute sind kaum zu finden, die Kosten der wenigen, die sich spezialisiert haben, werden oft nicht von der Kasse übernommen und wenn doch, sind Wartezeiten bis zu 3 Jahren nicht selten.
Auch die Aufnahme in eine Traumaklinik ist schon für viele zum Albtraum geworden. Traumakliniken sind nämlich keine AKUTkliniken, sondern Reha-Kliniken. Bis alle Genehmigungen und Anträge bei den oft äußerst kritischen und sparsamen Kostenträgern gestellt und durchgesetzt wurden, vergingen bisher in der Regel 3 – 14 Monate. Auch wenn es mittlerweile neue Gesetze gibt, die die Fristen bis zur Mitteilung klar einschränken, ändert das kaum etwas an den Wartezeiten, da in ganz vielen Fällen zunächst erstmal eine Absage erteilt wird und in Widerspruch gegangen werden muss.
Das Ganze dauert dann eine Ewigkeit für Betroffene, die sich zu diesem nicht einfachen Schritt durchgerungen und nach so vielen Jahren kaum noch Kraft zum Überleben haben.

Wenn die Erinnerungen des Kindheitstraumas aus dem Unterbewusstsein nach oben steigen, ist das oft mit einem ganz akuter Schock verbunden, der sofortige Hilfe und Betreuung erfordern würde. Einem solchen Menschen muss ich nicht selten sagen, dass er mit dieser aufgeplatzten Wunde erst mal Schlange stehen und auf irgendeinen Zusagestempel warten muss.
Ein unverantwortliches Hin- und Hergeschiebe zwischen verschiedenen Kostenträgern oder zwischen Kostenträgern und Gutachtern, die dann über Ja oder Nein der Erforderlichkeit eines Klinikaufenthalts entscheiden, kann Menschenleben kosten!
In diesen langen Wartezeiten bis zur Bewilligung versuchen wir in unserer Beratungsstelle tatsächlich nicht selten, in oft stundenlangen Gesprächen den Betroffenen ihren Lebenswillen zu erhalten. Nicht immer war das möglich!
An den Kliniken liegt es nicht - Betten sind meist frei.
Gerade jetzt in dieser Minute sitzen alleine 3 der von mir betreuten Menschen seit Wochen auf gepackten Koffern und warten auf das erlösende „JA“.
Es wäre also dringend notwendig, auch hier Notfall-Aufnahmen zu bewilligen.
Zum Glück gibt es einige wenige Traumakliniken, die eine erfreuliche Ausnahme bilden können, da sie über eine psychiatrische und eine psychosomatische Abteilung verfügen und eine nahtlos ineinandergehende Behandlung anbieten können.
Hier ist eine einfache Einweisung durch den Hausarzt vollkommen ausreichend.
Nur, wie gesagt, von diesen Kliniken haben wir entschieden zu wenig.
Schotterblume ist ja ein kämpferischer Verein und mal sehen, was wir da noch verändern können.

Dennoch möchte ich betroffenen Menschen unbedingt ans Herz legen, sich nicht entmutigen zu lassen, sich auf jeden Fall Hilfe zu suchen.
Die Teilnahme an einer SH-Gruppe und die Unterstützung und das Verständnis von Menschen mit ähnlichem Schicksal kann die Wartezeit bis zur ambulanten oder auch stationären Therapie überbrücken.
Aber niemand kommt natürlich geheilt aus einer Traumaklinik zurück, aber sozusagen mit neuem Handwerkszeug, neuen Möglichkeiten der Verarbeitung.
Ganz wichtig ist es, sich schon vorher eine einfühlsame Therapeutin oder einen Therapeuten zu suchen, der nach der Rückkehr in den Alltag auf neuen, noch sehr unbekannten Wegen zur Seite steht...
Zum Schluss möchte ich allen betroffenen Frauen und Männern Mut machen, sich bewusst auf den Weg der Heilung zu begeben und sich, wie eine kleine Blume, den Weg durch Schotter und Geröll hindurch zu bahnen, den Weg ans Licht, an die Sonne und damit zurück ins Leben.
Glauben Sie mir - es ist zu schaffen!!!


Dagmar Minor



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