friederike an lamié
| 2002-12-26 12:16 2601 | Hallo,
nun möchte ich doch noch auch etwas an dich schreiben. Dafür, daß hier niemand mehr von dir kennt, als diesen einen relativ kurzen (angesichts des Themas) Gästebucheintrag, finde ich es schon erschreckend, welche Diskussion hier stattfindet und vor allem, welche Interpretationen stattfinden. Aber auch das Verurteile ich nicht, da es doch um eine Sachen geht, die hier wohl viele kennen und die einfach mit vielen überschwenglichen Emotionen besetzt ist. Von diesen überschwenglichen Emotionen geh ich einfach auch gutgläubig bei dir aus, unabhängig davon, ob du deine Tochter jemals akzeptiert hast oder nicht. Daß du sie "leider" gefunden hast interpretiere ich so, als wäre das leider eher darauf bezogen, daß es dich geschockt hat, was ich verständlich finde. Ich möchte dein Posting nicht auseinanderpflücken, da ich nicht weiß, in welcher Verfassung du bist und ob du es nicht unter Schock stehend o.ä. mit ziemlich ungünstigen Forumulierungen geschrieben hast. Gut finde ich, daß du deine Tochter, als du merktest, daß du sie nicht annehmen kannst zu ihrer Oma gegeben hast. Ich frage mich, wieso sie dort nicht bleiben konnte? Hattest du das Gefühl, sie doch lieben zu können? Ein Anliegen habe ich an dich, naja, sind im Grunde sogar mehrere: - besorg dir eine Thera, mit der du aufdröseln kannst, wie ein angemessener Kontakt zu der Tochter in eurer speziellen Situation aussehen kann, denn es wird sicher keine harmonische Mutter-Tochter-Beziehung - sag deiner Tochter direkt, daß du dir Sorgen um sie machst (falls du das tust) und mach das nicht deutlich, indem du ihr hinterherspionierst. Denn das sind extreme Grenzverletzungen, die dich eher weiter aus dem Kontakt zu ihr bringen werden, als daß es euch aneinander annähert - biete deiner Tochter Unterstützung an, ihr eine Thera zu suchen und rechne damit, daß sie die Hilfe von dir nicht annimmt. Wenn das so ist, akzeptiere das!!!!
Und nun noch etwas von mir. Ich hatte/habe gelinde gesagt auch eine schwierige Beziehung zu meiner Mutter. Sie spioniert mir ebenfalls hinterher und mit jeder Aktion von ihr entferne ich mich weiter und mach die Spionageangriffe von ihr unmöglicher, indem ich mein kleines Reich besser absicher. Es treibt mich dadurch weiter weg von ihr, nicht näher zu ihr hin, was sie sich eigentlich wünscht. Ich habe ebenfalls einige Suizidversuche hinter mir, die einfach gescheitert sind, weil ich es nicht geschafft hab. Es gab also nichts zu finden, was auch gut so ist. Ich habe es nicht gemacht, weil ich eine scheiß Beziehung zu meiner Mutter hatte, es gab damals andere Gründe, die ich sogar lang und breit tag für tag mit meinen Eltern besprochen habe. Aber es gab und gibt Probleme, die ich im erwachsenen alter alleine lösen mußte und muß. Ich habe aus deinem Beitrag heraus nicht die leiseste Vorstellung, warum deine Tochter es gemacht hat und das wird auch wohl nur deine Tochter detailliert wissen und sagen können. Darum finde ich Schuldfragen generell sehr uneffektiv. Eure Beziehung zueinander scheint mächtig gelitten zu haben und ich kann dir und deiner Tochter nur wünschen, daß ihr beide zunächst einmal versucht, euer eigenes Leben aufzuarbeiten und mit euch selbst ins Reine zu kommen. Denn nur auf einer einigermaßen stabilen Basis kann sich überhaupt Beziehung entwickeln.
Geh du mit gutem Beispiel voran und zeig deiner Tochter, daß Unterstützung von Fachleuten wie Therapeuten nichts verwerfliches ist und zeig ihr, daß es sich lohnt. Und laß sie dabei selbst entscheiden, ob sie für sich ebenfalls Unterstützung wünscht. Erwarte nichts von ihr!! Erwartungen machen Druck, den ihr scheinbar mehr als ausreichend in der Beziehung habt. Sie ist mittlerweile scheinbar eine junge erwachsene Frau. Versuch in ihr eine eigenständige junge Frau zu sehen und versuch sie nicht mehr als Kind zu sehen und sondern als diese junge Frau zu akzeptieren, denn das ist sie sicher.
Gruß, Friederike |
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