long ago
| 2014-11-28 04:43 4255 | Ich war noch keine 4 Jahre alt, da war ich dem Tod schon 3x von der Schippe gesprungen. Was ich die nächsten 30 Jahre aber nahezu völlig "vergessen" hatte.
(Humorvolle Ausdrucksweise, und gelegentliches Schönreden, ist eine meiner Methoden, wie ich mich vom Geschehenen und der Erinnerung emotional distanziere. Verdrängen, Schweigen oder Banalisieren sind meine anderen Methoden. Meine Methoden haben jahrelang funktioniert. Ich kam klar. Zumindest bin ich nicht allzusehr aus meiner sozialen Rolle gefallen.)
Damals.. "Misshandlung durch Pflegepersonal" (Krankenschwester schlägt Baby solange bis es nicht mehr weint, bis es schweigt, und vor Schock und Apathie tagelang nichts mehr frisst und nur noch die Decke anstarrt), später hat mich ein Arzt fast vermurkst ("kleiner Arztfehler"), und noch später wurde mir noch das Gesicht mit einer Eisenstange ramponiert. Ist alles gut verheilt, bis auf vier kleinere Narben. Man sieht sie kaum noch. Mich hat es nicht an der Schläge getroffen, sonst wär ich nicht mehr hier. War es ein Glücksfall? Wär es nicht besser, wenn die Qual endlich endet? (Auch ich hatte jene Gedanken und Phasen, man darf sie kaum aussprechen, sonst liefern die einen in die Geschlossene ein.. ) Später dann Häusliche Gewalt erlebt. Daraufhin: Akute Erinnerungschübe und Panik. Wobei "Erinnerung" ein völlig unpassendes Wort ist, denn "klare Erinnerung" habe ich nicht an meine ersten Lebensjahre. Es ist vielmehr ein dumpfes "Gefühl", etwas das sich wie Nebel um mich legt und mich langsamer und irgendwie "blinder" agieren lässt. Obwohl "blind" auch das falsche Wort ist. Angstgedächtnis, oder wie man es nennt. Definitiv etwas körperliches, der Körper reagiert von alleine.
Ich sehe "es" (das Erlebte, Traumatische) nicht wie einen "Karton", in dem eine Zeitbombe tickt, ... ...ich habe schon lange eine andere Metapher vor Augen: für mich ist es eher wie ein Abszess, der immer größer wird, immer voller, der - falls er "aufgeht" - seine eitrige, giftige Masse plötzlich entlädt: falls man Pech hat geht alles ins Blut über und es wird eine akute, tödliche Sepsis daraus, falls man Glück hat, entlädt sich das Eiter nach außen, und der Körper kann langsam heilen vom "Gift". Eiter muss raus. Aber man darf an einem Abszess nicht herumdrücken, sonst entlädt er sich nach innen (Sepsis droht, und die kann innerhalb von wenigen Stunden tödlich sein. Mediziner erkennen Sepsis ganz selten, auch heutzutage noch).
Ich war kürzlich bei einer Krisenstation, da sich mein "seelischer Abszess" (inzwischen) restlos gefüllt hatte, mit meinen zahlreichen Gewalterfahrungen (durch jeweils verschiedene Personen, was das Misstrauen in Menschen vergrößert. Ein einziger Peiniger wär mir lieber gewesen.) Das Faß war voll, es war am platzen.
Die recht junge Therapeutin meinte nach 2 Sitzungen, sie könne kein akutes Trauma erkennen. Therapie halte sie aber für nötig, mir wurde Psychoanalyse vorgeschlagen, in der ich 2 Jahre lang die Beziehung zu meinen Eltern besprechen sollte. ^^ (Meine Eltern haben mich nie misshandelt, die Peiniger waren andere Personen.)
Ich habe geantwortet, dass ich höchstens eine lösungsorientierte Verhaltenstherapie (gegen die Angststörung) mache. Ich werde nicht zwei Jahre lang jede Woche an meinem "seelischen Abszess" herumdocktern lassen. Qual pur! Und unnütz noch dazu. Besser wird sein, ich warte auf einen Traumatherapie-platz. Bis dahin kommt alles weg, in einen "seelischen Karton", d.h. ich werde weiter verdrängen, ich werde nicht über "alte Geschehnisse" sprechen. Schon garnicht mit Medizinern, die nichts erkennen. Ich hab genug prägende Erfahrung mit überforderten Pflegepersonal/Ärzten. Die Erinnerungen überfluten, klar denken wird unmöglich. Wie in völliger Panik - Todesangst lässt grüßen - noch den Alltag schaffen??? Wie mit dieser plötzlich aufkommenden Aggression umgehen? Ich war mein ganzes Leben noch nie so aggressiv ("geladen") wie in den lezten Monaten. Die Wut kam (endlich) raus. Sie und die "Erinnerungen" haben mich überflutet. Handlungsunfähig. Zumindest kann ich jetzt erahnen, aus welchem "Gefühl" Amokläufe entstehen.
Wenn ich nur 1 Menschen stützen kann, mit meiner Visualisierung, dann war mein GB-Eintrag nicht vergeblich, und es würde mich ein bisschen glücklich machen.
Sieh es wie einen Abzsess: Drück nicht selber unnötig herum, und lass Dummköpfe nicht dumm daran herumdrücken. Hab im Hinterkopf, dass es gefährlich sein kann, wenn alles plötzlich aufgeht. Das Eiter muss irgendwann (kontrolliert) nach außen. Das Eiter ist ja eine gesunde Reaktion des Körpers, es entsteht weil der Körper schädliche Keime abtötet, um wieder gesund zu werden. Und das Abfallprodukt (Eiter) muss dann raus. Müll raustragen, sozusagen. Motto: "Hau weg den Scheiss, raus damit". Dann heilt es langsam. Eine Narbe wird bleiben. Und manchmal der Phantomschmerz.
Einen Abszess kann man kühlen. Genau das werde ich mit meinem seelischen Abszess machen, die nächsten Monate, bis ich Therapieplatz bekomme. Ich weiß dass es nicht weg ist, ich weiß dass hinterher eine Narbe sein wird. Aber ich werde nicht weiter unnötig daran herumdoktern oder herumstümpern lassen. Das Therapeuten-Gefasel treibt mich eher in den Wahnsinn. (Es war meine erste Erfahrung mit Therapeuten). Wenn ich keine besseren Therapeuten finde, gehe ich nie wieder zu einem.
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