Hallo,
nun dann meine Geschichte. Vielleicht werde ich bei Gelegenheit weiterschreiben, das weiß ich noch nicht. Ich werde nicht zu sehr in Detail gehen, auch wenn ich könnte, aber das muß nicht sein, denke ich mir, gehört auch zur Privatsspähre. Einige wenige Menschen wissen alles, komplett alles. Das reicht mir.
Meine erste Erfahrung sammelte ich mit 17 Jahren. Ich war 1992/93 in der Ausbildung beim BGS im ersten Ausbildungsjahrgang, als ein Gruppenkamerad mich versucht hat zu vergewaltigen. Unter dem Vorwand, mir Videospiele zeigen zu wollen lockte er mich auf sein Zimmer und schloß die Tür ab mit der Begründung, er habe verbotene Videospiele und wolle nicht erwischt werden. Unter dem Vorwand, mir einen Selbstverteidigungsgriff im Bodenkampf zeigen zu wollen lockte er mich also auf den Boden und begann mich, nachdem er mich \"festgesetzt hatte\" an diversen Stellen anzufassen und sich an mir zu reiben. Ich sagte ihm, dass ich das nicht wolle und versuchte mich zu wehren. Das hatte jedoch absolut keinen Sinn, sein \"Griff\" war gut und ich kam nicht frei, so machte er weiter. Ich hatte Glück und in dem Moment, als er unter dem Pullover angelangt war rummste sein Zimmerkamerad, der gerade aus dem Wochenende kam an die verschlossene Türe und begehrte Einlaß. Ich machte natürlich, dass ich wegkam.
Gemeldet habe ich das Ganze damals nicht. Meiner Zimmernachbarin hab ichs erzählt, die ihn dann in meinem Beisein zur Rede stellte. Er sagte, uns würde eh niemand glauben und er habe sich völlig \"normal\" verhalten....
Für mich war das Ganze ein absoluter Schock. Bin ich doch ziemlich behütet aufgewachsen und hatte noch den naiven Glauben, wenigstens beim BGS und bei der Polizei sei die Welt noch in Ordnung... Dazu noch die erste bewußte Erfahrung, dass es einfach Dinge im Leben gibt, die ich nicht beeinflussen kann, gegen die ich mich nicht zur Wehr setzen kann, ganz gleich, was ich tue... Unbewußt war ich natürlich auch so erzogen worden (sehr autoritär mit teilweise auch Prügelstrafe), das war mir damals jedoch nicht klar.
Heute bin ich dabei, mich zu erkundigen, ob und inwiefern ich den Vorfall damals aktenkundig machen kann. Der Mann arbeitet mittlerweile bei der Krisenintervention und wenn ich daran denke, dass ein solcher Mensch da arbeitet könnte ich... *grml* Nur bin ich mir auch der Rechtslage bewußt: Beweise habe ich keine. Aussage gegen Aussage, im Zweifel FÜR den Angeklagten und die ganze Sache geht nichtmal vor Gericht... Erfahrung... aber weiter mit diesen:
Mit 18 hatte ich einen Freund, der mich zum Oralverkehr gezwungen hat, er hat mein \"Nein\" einfach überhört und mich festgehalten und runtergedrückt... unnötig zu sagen, dass mir speiübel war und ich diesen Menschen verlassen habe daraufhin...
Mit 19 dann fand ich einen jungen Mann sehr anziehend, mit dem ich dann auch zusammenkam. Mein erster Besuch bei ihm, in der Absicht dort zu übernachten OHNE gleich mit ihm zu schlafen wurde mir dann zum Verhängnis. Er hat mich brutal vergewaltigt, obwohl er gewußt hat, dass ich nicht einverstanden bin damit, mit ihm zu schlafen (oder vielleicht auch \"weil\"?)
Angezeigt habe ich ihn leider erst drei Wochen zu spät, da waren diverse blaue Flecken nicht mehr zu sehen. Ich hab sie natürlich nicht fotografieren lassen, geschweigedenn bin ich sofort danach beim Arzt gewesen. Nein, ich habe mich unter die Dusche gestellt und geheult wie ein Schloßhund, und wollte alles nur noch loswerden... Die Anzeige ging nicht vor Gericht und nachdem mir die Frau von der Kripo sowohl erzählt hat, dass der gegnerische Anwalt nicht verpflichtet wäre, meine Adresse zu verdecken (vielen Dank auch!) und später am Telefon noch sagte \"Der Herr XY (der Täter) machte aber einen ganz netten und vernünftigen Eindruck!\" .... ja was glaubt die?! Wenn der es auf der Stirn hätte stehen haben, wär ich freiwillig zu ihm gegangen, oder was?! *kopfschüttel* Übrigends war er vorbestraft wegen Körperverletzung... Jedenfalls schrieb die Saatsanwaltschaft einen \"netten\" Brief in Beamtendeutsch, dass die ganze Sache aufgrund der fehlenden Beweislage nicht vor Gericht gehen würde... und der Täter habe Zeugen benannt, die angeblich dabei waren und ausgesagt haben, ich hätte alles freiwillig mit mir machen lassen... Als der Brief kam war ich gerade schwanger mit meiner Tochter (Danke Verdrängung - nein, schwanger Gott sei Dank nicht vom Täter) und rutschte in eine schwere Depression. Ich verstand die Welt nicht mehr. Wieso kann ein Täter so mies sein, angebliche Zeugen zu benennen und kommt damit durch?! Aber ich hatte auch keine Kraft zu kämpfen damals.
Ein paar Jahre später als ich dann verheiratet war, mein Sohn (2.Kind) eineinhalb wurde begann das Drama von Neuem. Ich bekam plötzlich Flashbacks und dachte, ich würde verrückt werden. Die Tat lag doch so lange zurück, in meinem Kopf aber war alles, als würde es JETZT geschehen...
Im Internet machte ich mich kundig und fand heraus, dass mein Verhalten doch relativ \"normal\" war. Ich sagte meinem Mann, der von der Tat wußte (nur dass sie passiert war, nicht genau was), dass ich jeglichen Körperkontakt momentan nicht ertragen würde, dass ich auch nicht reden könnte und Suizidgedanken hätte ... Er tat das alles ab: \"Er würde das schon verstehen, habe jetzt aber keine Zeit sich über sowas Gedanken zu machen...\" Unter Alkoholeinfluß hat auch er mich dann mehrmals vergewaltigt, woraufhin ich letzten Endes diese Ehe beendete und mit den Kindern vom Regen in die Traufe floh. Ich hatte übers Internet einen Mann kennengelernt, der mir das blaue vom Himmel versprach und ich in meiner schweren Depression (von einer Therapeutin bescheinigt) glaubte diesem Mann nur zu gern. Diesem Mann verdanke ich zwar die Hölle auf Erden (\"Du willst ja nur nicht mit mir schlafen, weil Du Angst hast vor Flashbacks... Ich muss Deine schlimmen Erlebnisse durch gute \"ersetzen\" ... \"klassische Konditionierung\" bzw. \"Desensibilisierung\" und dann nahm er sich, was er haben wollte...) aber ich bin auch geplatzt! Geplatzt vor Wut. Und diese Wut tat gut, wirkte befreiend ... ich ging mit den Kindern zunächst einmal zu meinen Eltern zurück, wo ich die Chance hatte, zur Ruhe zu kommen. Versuchte es nochmal mit meinem Exmann, der sich leider gar nicht geändert hatte (und ich hätte den Kindern so gerne eine \"heile Familie\" gegeben)... Nachdem ich endgültig das Ende meiner Ehe und meiner letzten Beziehung akzeptiert hatte begann mein Weg der Heilung...
Über online-Tagebücher, Menschen in ähnlichen Situationen, Foren, Chats, Symbolik, Traumatherapie (umzugsbedingt immer nur wenige Stunden), Selbsthilfegruppen, Frauenberatungsstelle, Freunde, Imagination, Bücher (Luise Reddemann z.B.), Homöopathie, die Mitarbeit an einem Interview für eine Zeitschrift zu dieser Thematik, die Mitarbeit an einer Studie der Uni Bielefeld, energetische Heilung, Familienaufstellung.... all dies Stationen meines Weges... all dies heilsam... nicht zuletzt jedoch mein eigener Wille, der mich trotz vieler vieler Rückschläge immer wieder auf den für mich richtigen Weg geführt hat.
Mein bester Freund, mit dem mich am Anfang diesen Weges meine erste wirklich glückliche Partnerschaft verband (nachdem wir uns zehn Jahre als \"Freunde\" kannten und lange Zeit Tanzpartner gewesen waren) hat mir unheimlich geholfen durch seine Geduld und sein Einfühlungsvermögen (auch wenn er Letzteres vermutlich bestreiten würde) und mein Mann, der die letzte Station auf meinen Weg miterlebt und begleitet hat gebührt mein ganz besonderer Dank (auch wenn sie das vermutlich gar nicht lesen werden). Zwei Menschen, die mir gezeigt haben, dass Männer auch anders sein können. Liebevoll, verstehend, respektierend und akzeptierend...
Ich habe abgeschlossen. Akzeptiere, was gewesen ist und bin heute der Auffassung: So schrecklich alles gewesen ist, ich bin nicht bereit, eine einzige Sekunde meines bisherigen Lebens zu tauschen oder zu ändern. Ich bin durch meine persönliche Hölle gegangen und es gibt kaum etwas, was mir heute noch Angst machen könnte. Ich weiß um meine Stärken und um meine Schwächen und ich mag mich mit allem was ich bin. Ohne das Erlebte wäre ich nicht die, die ich heute bin und ich mag mich so, wie ich bin.
Verziehen habe ich nicht. Ich sehe das auch nicht als meine Aufgabe an. Ich finde, dass es Dinge im Leben gibt, die ich nicht verzeihen können muss. Ich kann nachvollziehen, warum diese Männer gehandelt haben, wie sie es getan haben und zu Hass bin ich nicht fähig. Aber zum Verzeihen bei solch gravierend menschenverachtenden Taten bin ich auch nicht fähig. Diesen Anspruch habe ich aber auch nicht an mich.
Vielleicht fällt mir noch früher oder später etwas ein, vielleicht habt Ihr Fragen oder sonstiges. Ich bin ein sehr offener Mensch und werde alle Fragen wenns geht beantworten. Sollte ich das einmal nicht wollen und/oder können, schreibe ich das.
In diesem Sinne
Liebe Grüße
Light ehemals little moonbeam (Daniela) |