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Es ist zu schaffen

Wir möchten an dieser Stelle Eure Berichte über Fortschritte bei der Heilung veröffentlichen, um anderen Mut zu machen und zu zeigen, daß Heilung möglich ist.
Auch wenn es im Einzelfall nur kleine Schritte sein sollten, so sind es doch wichtige Schritte und wir bitten Euch, sie uns zu schicken.

Bitte gebt hier Eure Berichte ein. Diese werden dann innerhalb weniger Tage von uns freigeschaltet.
Falls dies einmal nicht klappen sollte, wendet Euch bitte an Webmaster Eric.
Habt bitte Verständnis dafür, daß wir an dieser Stelle nur Berichte veröffentlichen, die zum Thema "Es ist zu schaffen" passen.



Titel
Zur Person (nicht notwendig, nur wenn Ihr wollt!)
Name
E-Mail
Website
Text

Wieder einen sinn sehen07.11.2005 12:57
Name Nadine
E-Mail soulqueen1978aol.com
Ich möchte allen mut machen für sich zu kämpfen und sich hilfe zzu holen,denn hilfe annehmen ist keine schande.

ich selber bin als kind smb worden,(es ging über mehrere jahre)bin jetzt seit 4 monaten in therapie und unheimlich dankbar,das diese therapeutin mich sofort nahm,denn zu dem zeitpunkt hatte ich selbstmordgedanken oihne ende,trotz meiner tochter wollte ich sterben(meine tochter heute 16 monate jung),ich wollte einfach nicht mehr,warum lebe ich überhaupt war meine tägliche frage.............

Jetzt habe ich wieder perspektiven ,weiß wohin ich will,weiß,das ich ein toller mensch bin und ich alles schaffen kann was ich mir vornehme,das es sich lohnt zu kämpfen,das sehe ich jetzt auch an meiner tochter.

ich mache zur zeit zwar körperlich extrem schlimmes durch,aber ich will kämpfen,ich habe den täter nach 20ig jahren angezeigt,ich will niemals mehr schweigen,ich weiß es wird verdammt schwer,doch ich gehe diesen weg...................bis ich mein ziel erreicht habe....

Gebt bitte niemals auf,kämpft für euch,ihr könnt es schaffen,auch wenn es noch tiefer geht,so geht es doch auch wieder aufwärts.....

Ich habe auch ab und an negative gedanken,weinkrämpfe und anderes,doch selbstmordgedanken sind nicht mehr vorhanden,im gegenteil,ich weiß jetzt was ich will..........

Ist das nicht ein fortschritt????????????

lg soul78


etwas, was ich gerade als gut empfinde, hierzu zu schreiben27.10.2005 01:07
Name Phantasma
E-Mail Phantasmagoriahotmail.de
Ich weiß gerade noch nicht genau, wie ich anfangen könnte, und ob das, für jemand anderen als für mich von bedeutung sein könnte. vielleicht ist es sinnvoll, kurz anzudeuten, was ich in den letzten 3 jahren erlebt habe bzw durchgemacht, wie auch immer (die zeit davor ist zwar ausschlaggebend dafür, aber werde ich aus persönlichen gründen hier nicht mit einbeziehen)...
in den letzten jahren jedenfalls habe ich ein paar längere stationäre klinikaufenthalte hinter mich gebracht sowie immer wieder zwischendurch kürzere oder längere psychiatrieaufenthalte...vor ungefähr genau nem jahr dann selbstmordversuch und psychiatrie, klinik, kurz psychiatrie ;) ... ich frage mich oft, wielange das alles noch weitergehen wird/soll, wie ich es schaffen kann, kraft zu schöpfen, da sie aus eigenem antrieb nicht zu kommen scheint.
ich zwinge mich oft dazu, aber versuche, umzusetzen, von dem ich weiß - da schon probiert - dass es mir kraft gibt. schön ist es auch, durch den wald zu gehen und den bezug zur natur erneuern,wenn man davor eigentlich dachte, man hätte gar keinen zu ihr. ein instrument zu spielen, zu lesen, zu reden, freunde(oder familie) zu haben, jemanden zu umarmen,jemanden erfreuen, überraschen, kennenzulernen und soweit es geht zu vertrauen sind vielleicht "normale menschliche" fähigkeiten, aber mir kommen und kamen sie immer als hilfreich vor...hilfreicher als jede traumabehandlung... ich glaube, mich haben während der stationären aufenthalte in den "nicht geschlossenen" kliniken die patienten mehr als 80% geholfen und je mehr ich merke, dass sich jede einzelne therapie immer mehr setzt, könnte ich die 80 noch erhöhen...
jetzt habe ich nach langem, häufigem zögern und gedankenquüälerei mich dazu entschieden, erneut ne therapie anzufangen und ich weiß, dass das alles nur ein sehr kleiner schritt war... ich werde versuchen, zu kämpfen, und sei es, dass ich dafür auswandern muss, alles aufgeben, vielleicht gibt es wirklich immer eine lösung, geht mir manchmal durch den kopf, wenn ich mich schon fast wieder in meinen gedanken verloren habe...

unser Weg der Heilung13.10.2005 19:46
Name Leonie
Liebe Schotterblumenuser,

wir würden euch gerne ein wenig von unserem Bericht der Heilung zuteil kommen lassen.
Wir haben vor 4 Jahren die Diagnose Diss.Identitätstörung erhalten.
Das war ein gehöriger Schock,obwohl wir alle wußten es muß für dieses hier einen Namen geben.
Dann haben wir uns auf die Reise der Heilung,der Strapatzen begeben.
Nach 4 Jahren Therapiemerkten wir,irgendwie ist das nicht der richtige Therapeut,anfänglich war für ihn alles interessant,bald aber schon meinte er,ich habe nicht mehr die Zeit für euch(es gab erst 3 Stunden Therapie in der Woche,später 1-1/2 Stunden.
Dann haben wir uns entschlossen,eine Annonce zu starten in der Regianalzeitung um uns selber Helfe zu suchen.
Man muß dazu sagen,das wir finanziell durch sehr viel eigene Arbeit abgesichert sind.
Jedenfalls fanden wir über diese Annonce einen wunderbaren Diplompsychologen,der nun mit uns 7 Stunden die Woche arbeitet.
Und ja,es macht uns ganz viel Mut und Hoffnung,das sich nun alle zeigen können,gehört werden,Achtung und Respekt bekommen.
Dieser Dipl.Psychologe arbeitet bei einer ev.Kirchengemeinde,und hat sich seit Jahren mit dem Thema auseinandergesetzt,das große Glück besteht auch noch darin,das er Ergotherapeut ist,und einen kleinen Stundensatz nimmt.
Ich habe die ersten Wochen immer gedacht,ihn haben mir die Engel geschickt.
Heute klappt die Kommunikation untereinander schon recht gut,er ist immer ein Vermittler und macht so viel mit uns draußen in der Welt.
Spaziergänge,Caffeebesuche,mit unserem Hund spazieren gehen,wir sind so glücklich,endlich einen Menschen gefunden zu haben,der uns ernst und wichtig nimmt.Unser Selbstvertrauen ist in den letzten 12 Wochen gewachsen,wir spüren wir schaffen wieder ganz viel,er arbeitet mit uns sehr viel mit Ressourcen,(wir wußten gar nie,wie viel wir davon haben)
Jedenfalls möchten wir euch Mut machen,das es tatsächlich wunderbare Therapeuten gibt,die uns achtsam gegenübertreten,die sich in uns reinfühlen können,und wir das wunderbare erfahren haben,es kann Heilung geben.
Euch allen alles Liebe und Gute
Leonie

Auf dem Weg zur Heilung15.08.2005 12:28
Name Anke
Hallo Ihr, ich erlebe derzeit eine riesige Wandlung meiner inneren 14jährigen. Es gelingt ihr Einzelheiten in der Thera zu erzählen. Von der Erstarrung, der Härte zu sich selber und anderen, vom Motzen und Meckern wird eine lebendige Jugendliche, die der Thera tief vertraut und sich immer mehr auf die tiefen Prozesse einlässt. Erst heute durfte die innere 14jährige dieses Vertrauen in der Therapie wieder erleben, und auch ich als Erwachsene kann sie inzwischen wunderbar annehmen und ihr auch Geborgenheit geben. Das alles gibt mir eine tiefe Sicherheit, dass vieles heilbar ist. Meine innere 14jährige und ich sind auf einem guten Weg. Es hat sehr lange gedauert. Also gebt nicht auf. Alles braucht seine Zeit. Es lohnt sich, es ist unsagbar schön, wenn Anteile lebendig werden.

Mut und Kraft aus dem Erlebten gezogen19.07.2005 14:20
Name Marion
E-Mail marionharrichhausen.de
Website www.harrichhausen.de/mhl
Liebe Überlebende,

ich bin nun 45 Jahre und habe meine ganze Lebensgeschichte über ca. die letzten 12 Jahre sukzessive zusammengetragen (Jugendamtsakten, Heimakten, Konfrontation mit meinem Vater, Gespräche mit Lehrer und Heimleitung), erarbeitet (Flashbacks, Therapie, Klinikaufenthalte) und versucht zu verarbeiten. Während dieser 12 Jahre stellte ich immer häufiger fest, dass ich so gut wie nichts aus meiner Vergangenheit wußte bzw. verdrängt habe. Das, was ich wußte waren auch zum überwiegenden Teil die Berichte und Erzählungen meiner Pflegemutter, einer Mittäterin.

Vielleicht kurz die entscheidensten Ereignisse in meinem Leben:
Zeugung während eines one-night (or day)-stands
Geburt durch eine Mutter, die höchstwahrscheinlich selbst hochtraumatisiert war
Vernachlässigung durch die Mutter (Nachbarn hörten den Säugling nicht mehr schreien und riefen die Polizeit)
1. Heimunterbringung im Alter von 6 Monaten
Im Alter von 2 Jahren Aufnahme in die eheliche Gemeinschaft meines Vaters (15 Jahre ältere Frau)
sexueller Mißbrauch durch den Vater über 2 Jahre mit Wissen dessen Frau
Auseinanderbrechen und Scheidung dieser Beziehung
Verbleib bei meiner Stief-(Pflege-)Mutter.
Erneute Heirat meiner Pflegemutter (wieder ein jüngerer Mann, Alkeholiker und auf der rechten Seite unterschenkelamputiert)
Zwischen meinem 5. und 8. Lebensjahr erlebte ich immer wieder exssesive Gewaltausbrüche (körperliche, psychische und emotionale Mißhandlungen - vorzugsweise nachts)
Am 16.12.1968 wurde ich endgültig in ein Heim abgeschoben.
10 Jahre Kampf um Anerkennung, Liebe (was ist das?), Wahrnehmung meiner Person (wer bin ich?)
Nach meiner Ausbildung und Heimentlassung sehr schnelle Heirat mit meinem 1. Mann (ebenfalls Alkeholiker, körperliche, psychische und emotionale Mißhandlungen)
1981 erster epileptischer Anfall (kein pathologischer Befund!)
1982 Trennung, 1984 Scheidung von meinem 1. Mann
Die folgenden 10 Jahre waren der "Tanz auf dem Vulkan" ( an Wochenenden Diskotheken- und Kneipenbesuche, zuerst häufig wechselnde Männerbekanntschaften, dann Verhältnisse zu verheirateten Männern)
Weihnachten 1991 erlitt ich eine Fehlgeburt (ich war schwanger von einem verheirateten Mann)
danach folgte meine erste richtig tiefe Depression und ich kam zum 1. Mal in eine Psychosomatische Klinik.

ICH ERHIELT DIE MÖGLICHKEIT MICH AUF DEN LANGEN WEG ZU MIR SELBST ZU MACHEN

Der überwiegende Teil der oben beschriebenen Begebenheiten sind Ergebnisse eines sehr schmerzvollen Erfahrungsprozesses.

Lange, sehr lange fragte ich mich und mein Umfeld immer wieder: "WARUM ich"? Diese Frage gipfelte 1995 in einem Suizidversuch. Mein Therapeut äußerte auf diese Frage einmal "Du warst zur verkehrten Zeit am verkehrten Ort".

1998 suchte ich meinen Vater auf und konfrontierte ihn mit meinen Ergebnissen. Hier erlebte ich erstaunliches.
Ich hatte fürchterliche Angst vor der Begegnung; immer wieder habe ich mir gesagt "ich bin nicht mehr schutz- und wehrlos und ich will vor allem das immer wiederkehrende Gespenst in seine Schranken weisen". Als mein Vater mir die Türe öffnete, stand vor mir ein alter, gebrechlicher Mann. ICH MUßTE MICH GAR NICHT GEGEN IHN WEHREN. Eine Erkenntnis, die mein Leben bzw. meine Einstellung dazu ändern sollte. Ich begann zu fragen: WOZU ich?

Ich bin heute eine Frau, die sehr traurig über das Erlebte in ihrer Kindheit ist, die mitunter sich nichts sehnlicher wünscht, als einmal zu spüren, wie es sich anfühlt als Kind über den Kopf gestreichelt zu werden oder einfach nur als Kind gehalten zu werden. Ich weiß, dass diese Wünsche unerfüllbar bleiben werden, da mein Kindheit vorbei ist. Ich weiß auch um meine Defizite was Vertrauen, Selbstwertgefühl, Liebensfähigkeit und Liebe erkennen, anbelangt. Und dennoch ...

Ich habe es geschafft.
Ich bin zum 2. Mal verheiratet, langsam aber sicher nehme ich meinen Körper und meine Gefühle immer deutlicher und öfter wahr. Und nicht nur dass, für mich ist im Leben nichts selbstverständlich oder bedeutungslos. Ich liebe das Leben, mein Leben, seine Vielfalt und dessen unendlicher Facettenreichtum.

Ich habe während meiner letzten beiden Klinikaufenthalte das Malen für mich entdeckt. Eine ganz neue Welt der Ausdrucksform eröffnete sich für mich.

Zur Verarbeitung der traumatischen Erlebnisse haben mir, neben der Aufenthalte in der Psychosomatischen Fachklinik St. Franziska Stift in Bad Kreuznach und und mein wunderbarer, strenger aber auch verständnisvoller Oberguru (mein Therapeut), auch sehr die Feldenkrais- und EMDR-Therapien geholfen.

Mein Leben hat einen Sinn; jedes Leben hat einen Sinn, alles im Leben hat einen Sinn. Hierin bestehen unsere Lebensaufgaben - das ist meine Einstellung und meine Lebensphilosopie.
Vielleicht kann ich gerade aus meinem Erlebten die Kraft und den Mut ziehen, in dieser Welt zu bestehen, meinen Weg zu suchen, zu finden und mein Leben zu lieben.

Nichts ist oder geht verloren in der Unendlichkeit des Universums. Alles, was ich erlebt habe, führte mich zu meinem nächsten Erleben. Ich alleine bin dafür verantwortlich, was ich aus meinem Erlebten lerne, wie ich es werte, was ich daraus für Schlußfolgerungen ziehe und wie ich damit mein künftiges Leben gestalte.

Dies ist nun ein besonders langes Statment geworden - ich hoffe, dass ich hiermit niemandem zu nahe getreten bin, falls doch, tut es mir Leid.

Ich wünsche Euch und mir immer soviel Achtsamkeit wie möglich.

In Verbundenheit
Marion

Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer ;-)
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