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Es ist zu schaffen

Wir möchten an dieser Stelle Eure Berichte über Fortschritte bei der Heilung veröffentlichen, um anderen Mut zu machen und zu zeigen, daß Heilung möglich ist.
Auch wenn es im Einzelfall nur kleine Schritte sein sollten, so sind es doch wichtige Schritte und wir bitten Euch, sie uns zu schicken.

Bitte gebt hier Eure Berichte ein. Diese werden dann innerhalb weniger Tage von uns freigeschaltet.
Falls dies einmal nicht klappen sollte, wendet Euch bitte an Webmaster Eric.
Habt bitte Verständnis dafür, daß wir an dieser Stelle nur Berichte veröffentlichen, die zum Thema "Es ist zu schaffen" passen.



Titel
Zur Person (nicht notwendig, nur wenn Ihr wollt!)
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Entscheiden wir uns für die Zukunft02.07.2005 11:30
Name Anika Emmerich
E-Mail hab keine
Hallo ihr Lieben.
Es ist schon fast 8Jahre her und es hat einfach zu lange gedauert bis ich das Schwiegen gebrochen habe, meine Scham überwunden habe und gelernt habe mich als Person zu lieben und wieder zu leben.Vor ca 2Jahren lernte ich einen besonderen Menschen kennen, der mir sagte, dass unser leben das Produkt unserer Gedanken sei und dass es nur lebenswert ist, wenn wir unseren persönlichen Lebensweg gehen.Er sagte auch dass der Weg unser Ziel ist und unser Herz blutet, wenn wir stillstehen.Am Lebensende ergibt unser Weg ein Ganzes und jedes Ereignis, jede Tat, jeder Ort ist Teil des Weges,und somit Teil des Ziels.Seit diesen paar Tagen,die ich mit diesem Menschen verbracht habe,habe ich mir viele Gedanken um mein Leben gemacht und darum,was ich erreichen möchte.Meine Gedanken haben sich geändert,ich habe mich aufgerappelt,eine Therapie gemacht,meine Essprobleme in den Griff bekommen,meine Alpträume bekämpft und gelernt offen darüber zu reden.Wir dürfen uns nicht schämen,sondern müssen uns wehren,aktiv.Aus diesem Grunde habe ich mich entschieden Erziehrin zu werden,anschließend Sozialpädagogik zu studieren und später den Menschen zu helfen,die so sehr leiden wie ich es tat.wir können alle wieder lernen zu leben.Es ist ein Teil unserer Vergangenheit.wie alle Erlebnisse, macht es uns zu dem Menschen,der wir sind.Heute, nach acht Jahren kann ich sagen,es war die schlimmste Zeit meines Lebens,doch auch der dunkelste Moment geht vorüber und dann kommt die ZUkunft.Wir müssen es nur zulasen, dass eine Zukunft kommt und uns für diese Zukunft und für den Kampf gegen diese Erinnerung entscheiden.Ich freue mich immer über Kontakt,sei es über briefe,Telefon oder persönliche Treffen.Also melde dich,wenn du möchtest.Schreib und wir können uns auf unserem Weg austauschen oder ruf mich an ind wir reden,hören zu.Es tut mabchmal gut, mit Menschen zu reden, die man nicht kennt,vor denen man sich nicht schämt,weil sie einen noch nie gesehen haben und doch verstehen, was man fühlt und denkt.Mir geschieht das immer wieder.Auch wenn jemand Interesse an einer Selbsthilfegruppe in Trier hat oder so,melde Dich bei mir.Man muss aktiv werden um die Welt zu ertragen und ihr zum Besseren zu verhelfen.Das gibt den Menschen Kraft.
Bis bald Anika,Hofberg6,Trier,01632546893

Ich bin glücklich28.05.2005 00:01
Ich habe es geschafft, ich bin ich und mir geht es gut!
Endlich keine Zweifel mehr an mir, endlich das Selbbewußtesein was ich mir immer gewünscht habe aber nie vorstellen konnte.Es geht mir gut !

Ich wurde im Alter von 12 bis ich fast 14 war von meinem Vater sexuell mißbraucht, von dem ich mir doch nur Liebe gewünscht habe.Liebe die man als Tochter vom Vater sich wünscht, nur die bekam ich nie.Auf einmal hatte er aber ein Geheimnis mit mir, nur er und ich aber dieses Geheimnist hat mir nicht gefallen.Irgendwann erzählte ich meiner Schwester von meinem Geheimnis, sie war ganz erschrocken darüber und sagte, ich müßte das unbedingt Mutti sagen und das tat ich dann auch.

Er wurde zur Rede gestellt aber meine Mutti trennte sich nicht von ihm.So passierte nichts mehr aber es wurde alles tot gewschwiegen, niemand fragte wie es mir geht !
Niemand bemerkte das ich mir das Leben nehmen wollte.

Mit 18 bin ich von zu Hause ausgezogen, ca 750 km weit weg von meinem zu Hause und das war das beste was ich im Leben gemacht habe, auch wenn es noch einige Jahre gedauert hat.
Irgendwann merkte ich das etwas bei mir nicht stimmt, das ich teilweise unter Depressionen litt, habe mich zu Hause eingeigelt.
Bis ich mir einen PC gekauft habe und da suchte ich zum ersten Mal Hilfe.Ich erfuhr von dieser Seite, war dann öfters im Chat und es war immer traurig und da kapierte ich das ich richtige Hilfe brauche.Ich fasste meinen ganzen Mut zusammen und erkundigte mich nach einer Therapeutin, vereinbarte mit ihr einen Temrin und fort an ging es mir besser. Ich redete über alles was mir wiederfahren ist, von meinen Erfahrungen.Sie brachte mich auf Antworten, welche ich schon so lange gesucht habe.Sie zeigte mir, das ich mein denken ändern sollte und sie war da wenn es nötig war.Von mal zu mal bei ihr ging es mir besser.

Ich sah auf einmal mit anderen Augen, dachte über vieles anders !
Ich schaute Menschen anders an und viel auf einmal nicht mehr auf den falschen Typen rein.Nachdem ich bei der Therapeutin war lernte ich meinen jetzigen Mann kennen, den hätte ich ohne Therapie nie angeschaut, das weiß ich heute.
Ein Mann der mich liebt wie ich bin und nicht nur meinen Körper.Ein Mann der meine Gefühle und mich ernst nimmt !
Es ist einfach ein wunderbares Gefühl und ich hoffe das alle Menschen mit solchen Erfahrungen auch einmal so glücklich sein können, wie ich es jetz bin !
Es ist wunderbar geliebt zu werden und jemanden vertrauen zu können !!!

Es ist ein langer schwerer Weg aber es zu schaffen !

eine eigene Familie18.05.2005 11:32
E-Mail Curlyannikaaol.com
ich möchte erst einmal ein großes Dankeschön und Lob aussprechen für die Menschen die diese Schotterblume ins Leben gepflanzt haben. Ich durfte Sie sehen und ich habe Mut geschöpft. Es war eine schwere und lange mühsame Zeit. Ich habe viel geweint und war verzweifelt. Aber ich habe gemerkt das ich nicht alleine bin. Das es noch so viele andere verletzte Blümchen gibt. Nun bin ich in ein anderes Bundesland gezogen und konnte dort neu anfangen. Etwas altes hinter mir lassen. Ganz vergessen werde ich es nie und es ist immer ein Teil von mir weil es zu meinem Leben dazu gehört aber es ist nicht mehr mein Hauptproblem. Nun habe ich eine neue Aufgabe. Denn ich habe 2 Kinder bekommen woran ich früher nicht mehr geglaubt habe, denn ich habe niemanden mehr an mich heran gelassen.
Ich hatte Angst vor Intimität. Ich dachte nicht mehr an eine Familie, das ich eine Beziehung führen könnte. Aber nun hab ich es doch geschafft. Meine Kinder sind gesund.

Es sind 2 Mädels. Eine wird im August 2 Jahre und die andere ist am 2.4.2005 geboren.
Also für mich ist das ein großes Wunder woran ich erst aufgehört habe zu glauben.
Gott meint es gut ich bete für euch.
Liebe Grüße Annika

Wie ich es schaffte bei mir anzukommen05.05.2005 11:54
Name Die Frau, die heute einen Namen hat
Es wird Sommer sein, wenn ich zum letzten Mal die Therapieräume meiner Therapeutin betreten werde.

Ich – erste Person Singular ehemals Plural, bestehend aus einem System von mehreren Personen, die benötigt wurden, um das Grauen meiner Kindheit und Jugend zu überleben.
Nach zwei Jahren Therapie war ich stabil und mein System befand sich in einem Einklang mit sich selbst (ein fast einwandfrei funktionierendes Co-Bewusstsein).
Wir entschlossen uns weiter zu gehen, uns unserem Schattenreich zu stellen und uns gegenseitig zu offenbaren, was wirklich in der fehlenden Zeit von statten ging.
Nach fast 3,5 Jahren Therapie mit vielen EMDR-Sitzungen ist es mir gelungen die Lücken in meinem Gedächtnis zu schließen. Die Grenzen untereinander verschwammen mit der Zeit und ich fühle heute nicht mehr diese Leere und das Dunkel in mir, das mich sehr oft zum Wegdriften brachte.
Die Leere ist gefüllt mit Erinnerungen. Die Dunkelheit ist erleuchtet. Es war wie ein Hammerschlag ins Gesicht – alles zu merken und zu begreifen, was für Erinnerungen das wirklich waren. Ich war eine ziemlich lange Zeit sehr depressiv, aber ich war nicht erneut gewählt mir das Leben nehmen zu wollen, was ich persönlich als einen Erfolg ansehe, denn vor 11 Jahren habe ich nur sehr knapp einen Suizidversuch überlebt.
Die Splitter ergeben heute ein Bild meiner Vergangenheit, das überwiegend mehr als grausam ist. Aber es ist mein Bild der Vergangenheit, die vergangen ist und heute trage ich dafür Sorge, dass die wenigen schönen Momente in meinem Leben nicht zur Ausnahme werden, sondern die Regel bleiben.

Ich weiß heute, dass ich über einen Zeitraum von wahrscheinlich mehr als 18 Jahren missbraucht, misshandelt, vernachlässigt und verkauft wurde, von Menschen, denen ich vertraute, weil ich ihre Tochter, Enkelin, Cousine und Nichte war.

Mit 19 Jahren ging ich von dort fort. Ohne der wahren Grund meines Fortgehens zu kennen. Ein Teil von mir klammerte sich an eine kranke Beziehung zu einem jungen Mann, der die perfekte Symbiose meiner Mutter und meiner Großmutter war. Er benutzte mich, denn zu dem Zeitpunkt war ich der perfekte Gebrauchsgegenstand, ohne es zu merken. Besser gesagt, konnte ich mir ein Merken dessen zu dem Zeitpunkt noch nicht erlauben.
Zum Glück war er nicht so gut in seinem Handwerk wie meine Eltern und meine Großmutter es waren, deshalb teilte ich mich in meinem Inneren nicht weiter auf.
Im Gegenteil. Ich war stabil genug, um bei einer herben Enttäuschung, die er mir einbrachte lediglich einen Nervenzusammenbruch zu bekommen.
Heute danke ich ihm dafür, denn von dem Tag an wusste ich, dass ich nie verrückt war oder wurde – ich war nur viele in Einer.

Fast spielerisch und kindlich ging ich mit meiner späteren Diagnose um. Ich habe mir gemeinschaftlich zum Ziel gesetzt gehabt soweit zu gehen bis ich Eins bin. Wie das aussehen sollte, wussten wir zu dem Zeitpunkt nicht, denn keiner von uns hatte eine Ahnung wie es bei anderen so ist, die alleine mit sich selber sind.

Heute kann ich sagen, es ist anders als ich es mir je hätte vorstellen können, aber es ist schön. Nichts von meinem inneren Ganzen ging verloren – es verschmolz mehr oder minder zu einem großen Klumpen. Die negativen Dinge konnten mit Hilfe der anderen Perspektiven besser abgelegt werden (SVV, Impulsivität, Essstörungen, Zwangsverhalten). An einigen Dingen kaue ich noch heute dran rum, aber je mehr ich übe, desto besser komme ich gegen meine inneren Ängste und Unsicherheiten an. Ich hätte persönlich nicht gedacht, dass ich damit solange zu kämpfen haben werde, aber der Mangel an Zuwendung und Bestätigung, sowie die Unbeherrschtheit im Verhalten meiner Eltern, haben sehr, sehr tiefe Narben in meinem Selbstwert und meiner Wahrnehmung hinterlassen.
Aber ich habe es bis hierher geschafft, was ich um ehrlich zu sein vor 10 Jahren niemals gedacht hätte und ich werde es auch weiter schaffen.
Euch allen möchte ich sagen, dass es sich lohnt zu kämpfen, denn das Leben ist schön, wenn man erstmal lernt es sich richtig zu gönnen.

Was mir sehr viel geholfen hatte, waren folgende Fragen, die ich mir ab einem gewissen Zeitpunkt, als meine innere Kommunikation super klappte, sehr oft vor Augen hielt: „Würdest du deinem Kind den Partner wünschen, den du jetzt hast? Würdest du deinem Kind die Freunde wünschen, die du jetzt hast?“ Leider fiel die Antwort sehr oft auf ein „Nein“. Und ich stellte mir daraufhin die Frage: „Warum gönnst du dir weniger als deinem Kind, das du noch nicht einmal hast?“
Ich begann ab einem gewissen Zeitpunkt mein soziales Umfeld „aufzuräumen“, denn Kinder möchte ich später haben und die sollen in einem schönen und gesunden Umfeld aufwachsen.
Die Freunde, die geblieben sind, sind die besten und verlässlichsten, die man haben kann.
Der Partner, den ich heute habe – mit dem gönne ich es mir alt zu werden.
Er hat meine Traumabearbeitungsphase miterlebt gehabt und mich dabei immer sehr einfühlsam, geduldig und liebevoll unterstützt.
An seiner Seite konnte ich das Bedürfnis nach Liebe und Zuwendung aufholen, das mir als Kind verwehrt geblieben ist.
Ich habe an seiner Seite lernen können, was es heißt Grenzen zu setzen und die der anderen zu achten.
Ohne ihn wäre meine Therapie sicherlich nur halb so erfolgreich geblieben.
Ohne meine Therapeutin wäre ich sicherlich heute nicht ich, sondern nach wie vor ein konfuses und chaotisches Wir.
Ohne meine Freunde wäre ich erst gar nicht in Therapie gegangen, denn sie waren es, die mir glaubten, dass meine Kindheit weder rosig noch schön war, wie meine Eltern es immer meinten.
Meine Freunde waren es auch, die mir zeigten, dass man mich so mögen kann, wie ich bin – ohne wenn und ohne aber.
Es ist wirklich zu schaffen… wenn man es sich nur richtig wünscht und alles dafür tut, damit es in Erfüllung geht. Und der erste Schritt ist immer, die Hilfe annehmen, die man sich wünscht! :)

Die Vergangenheit kann man nicht ändern, aber man kann seine Zukunft selbstbestimmt gestalten.

Schritt für Schritt03.05.2005 12:31
Name Ika
E-Mail mailflywithikarus.de
Website http://www.flywithikarus.de
Als stiller Leser von Schotterblume, möchte ich heute auch einen kleinen Beitrag hier einfügen. Finde die Seite sehr sinnvoll, denn es ist wichtig zu sehen, dass es weiter geht, dass ein Leben mit dem Missbrauch möglich ist und das man durchaus eine glückliche Zukunft haben kann!


Ich (38), gehe seit ca. 3 1/2 Jahren meinen Weg der Heilung.
Meine ersten Gadanken, als ich die Erinnerungen zuließ, waren: Das kann doch gar nicht sein - nein, so etwas ist dir nicht passiert - Einbildung!
Sehr schnell muste ich begreifen, dass rein gar nichts Einbildung war. Zu schrecklich die Bilder und Gefühle, die ich nicht zuordnen konnte.
Mein erster Versuch, es meinem damalige Therapeuten zu sagen, schlug extrem fehl. Seine Antwort auf mein vorsichtiges Erzählen war: Sind sie sicher, dass sie sich das nicht alles einbilden?! Schluss, Aus, Ende - all mein Mut war auf der Stelle weg durch seine 'nette' Äußerung. Gott sei Dank hatte ich mittlerweile ein paar Kontakte im Internet, sie bauten mich auf und verhinderten so das Schlimmste.
Mit all meinem Mut fing ich an eine Homepage zu erstellen, die Kontakte zu Betroffenen gaben mir immer wieder Kraft und Zuversicht. Doch das dunkle Chaos wich nicht von meiner Seite.

Ein paar Monate später lernte ich Ralf Graner kennen. Durch einen zufälligen Besuch auf seiner Homepage entstand ein sehr netter, herzlicher Kontakt. Durch ihn bin ich auf das Bittere Tränen Projekt gestoßen, wo ich nun auch seit drei Jahren mitwirke. Erst durch diese Kontakte wurde mir bewusst, dass ich mich vorwärts bewege. Vorher konnte ich meine kleinen Schritte nicht erkennen.
Was ich brauchte war nicht 'allein' der Kontakt zu anderen Betroffenen, vielmehr war es die positive Sicht, dass es voran gehen kann und wird - sofern ich mich an diesem Weg beteilige.
Das Bittere Tränen Projekt wollte eine neue Anthologie rausbringen. Thema: Heilung! Ich dachte die ganze Zeit, dass ich da sowieso keinen Text von mir beisteuern konnte. Bis mir auf einmal wirklich klar wurde, dass Heilung nicht bedeutet alles hinter sich zu haben. Nein, Heilung ist der Weg der Verarbeitung - sie fängt an, sobald wir uns auseinandersetzen mit unserer Vergangenheit. Und ich konnte doch etwas von mir mit ins neue Buch einbringen - das war eine sehr wichtige Erkenntnis für mich!

Ich konnte mit der Zeit mehr schreiben, meine Homepage wurde erweitert bzw. es kamen neue dazu. Ich entdeckte, das kreatives Verarbeiten für mich der Schlüssel ist, um an meine tief versteckten Gefühle zu kommen. Und ich entdeckte, dass Hoffnung, Glauben und Liebe ein wichtiger Bestandteil sind. Ich benenne dies als meinen Schalter zum Licht, den ich immer betätigen kann, wenn es notwendig ist.
Durch den Austausch konnte ich dann auch immer mehr erkennen, was mich selber bewegt, manchmal einfach nur durchs Lesen von Beiträgen anderer Betroffener.

Heute ist es so, dass ich mich immer noch auf meinem Weg der Heilung befinde - doch mit ganz anderen Sichtweisen, Hilfen und mit Selbstkenntnis. Ich habe - gerade im letzten Jahr - Wege geschafft, die mich stolz gemacht haben (war z. B. in Göttingen beim Aktionsstag) Habe mich getraut noch etwas mehr aus meiner Anonymität zu kommen, in dem ich auch auf nicht themenbezogenen Seiten über Missbrauch schrieb. Ich wage mich immer ein Stückchen weiter und sehe auch so meine kleinen Schritte.

Ich bekomme oft zu hören (z. B. von Betroffenen, die am Anfang ihres Weges stehen) wieviel Mut und Kraft doch in mir stecken muss. Und ja, ich kann dies jetzt annehmen! Ich weiß, dass ich sehr viel Kraft und Stärke besitze. Trotzdem geht es auch mir immer mal wieder schlecht, doch kann ich mir jetzt sagen: Ich komm da wieder raus, muss die Ursache finden, verarbeiten und es wird weiter gehen. Schaff ich es allein nicht, dann wende ich mich an mir bekannte Foren, wo ich Vertrauen habe und schreibe meine Gefühle und Gedanken nieder. In diesem Austausch finde ich meistens die Gedanken und Gefühle wieder, die ich für den Moment brauche.

Zu meiner Situation gehört aber auch meine Familie (mein Mann und meine vier Söhne) - wo ich zeitweise immer noch mit Schuldgefühlen kämpfe. Bei uns steht jetzt die Trennung an - mein Mann kann nicht mit mir und meiner Thematik umgehen. Er kann keine emotionale Bindung mit mir aufnehmen, dafür reicht seine Kraft nicht mehr aus. Ich finde dies mehr als schade und es fällt mir auch schwer damit klar zu kommen, aber ich bin ihm auch dankbar, dass er mir dies jetzt ehrlich sagen konnte!

Jetzt stehe ich allerdings wieder an einem ähnlichen Punkt wie zu Beginn meiner Verarbeitung. Ich habe große Angst, weiß nicht, ob ich diesen Weg auch schaffe. Aber es ist auch kein Wunder, dass ich so verängstigt bin. Ich begebe mich gerade auf einen direkten Weg, um alte Verhaltensmuster, die jahrzehntelang da waren zu durchbrechen. Ich nehme mich und meine Ängste an, ziehe sozusagen in einen weiteren Kampf, um mich wieder zu finden. Klar, ich bin die ganze Zeit dabei, doch waren dies sozusagen Vorbereitungen für diesen Weg. Denn hierfür brauche ich die Erkenntnis, dass alles seinen Sinn hat, dass ich auch aus einem Loch wieder rauskomm, dass der Glauben mich unterstützt und ich nie die Hoffnung aufgeben darf. Es gibt überall hilfreiche Hände, man muss sie versuchen zu erkennen und seine Scheu überwinden um sie annehmen zukönnen.

Zurzeit befasse ich mich mit meinem inneren Kind - versuche den Kontakt zu halten und nicht wie sonst, immer mal wieder abbrechen zu lassen. Habe erkannt, dass dies sehr wichtig ist - für mich - meine Heilung - mein Leben. Denn meine Kleine hat sich vermehrt bemerkbar gemacht, indem sie trotzig und stur rebellierte. Jetzt ist es an der Zeit, ihre Gefühle zu erkennen und ihr hilfreich zur Seite zu stehen.

Meinen Weg der Verarbeitung bin ich ohne ambulante Therapie gegangen (die ambulante Gesprächstherapie von 50 Std. damals bezog sich auf Depressionen und Ängste. Als traumatische Ereignisse in den Vordergrund traten, habe ich den Therapeuten verlassen. Es ging einfach nicht. Und bis heute habe ich leider hier bei uns noch keinen Thera gefunden, der Traumatherapie anbietet) Hatte dafür aber drei traumatherapeutische Klinikaufenthalte, wovon zwei mir sehr geholfen haben. Meinen Weg allein zu gehen, macht mir auch Angst, doch ich will und kann nicht warten, bis ich andere Hilfe bekomme.
Möchte aber dennoch jedem raten, sich nach Möglichkeit therapeutische Hilfe zu suchen und anzunehmen, denn es ist hilfreicher nicht allein da durch zu müssen!

Ich habe noch nicht das glückliche Leben gefunden, welches ich suche, doch ich weiß, dass ich auf dem Weg dorthin bin!

Und jedem, der noch (immer) zweifelt, der noch (immer) Angst hat, weil er seine Gefühle nicht zuordnen kann, möchte ich sagen:

"Ihr seid nicht allein - denn wir sind eine Gemeinschaft, wo es nicht immer vieler Worte bedarf, weil wir gemeinsam fühlen, trauern, reden, zuhören und hoffentlich auch lachen!"

Ich wünsche euch Kraft und Zuversicht!
Ika
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