Ich wußte es immer, ich konnte auch schon immer benennen, daß es mir als ca. 3jährige passiert war, in Holland bei meinem Onkel, ein halbes Jahr lang! Ich hatte immer präsent, daß, wenn ich ein Eis oder sonstwas wollte, er mich dazu zwang, ihm einen runter zu holen! Im Straßengraben - ich irrte tagsüber immer in der Stadt rum, aber er fand mich immer - im Badezimmer! Auch schleppte er mich mit zu seinem Arzt oder seinem Vater, wo sie mich auszogen, ich breitbeinig irgendwo lag und sie sich selber vergnügten! Abends mußte ich oft vor dem Schrank knien, Arme nach oben an den Schrank gelehnt...........und wehe, ich schlief ein! Ich wurde geschlagen und mußte meine Position wieder einnehmen!
Ins Bewußtsein kam es mir erstmals, als meine Tochter 3 war (ich 23 Jahre) und ich sie auf einem Fest nicht sehen konnte. Ich rastete förmlich aus! Plötzlich wurde mir bewußt, daß ich in Panik geraten war, weil ich nicht wollte, daß das meiner Tochter passiert, was mir passiert war!
So, damit war es in meinem Bewußtsein, an der Oberfläche!
Ich hatte verschiedene Strategien, zu überleben!
Oftmals packte ich meine Tasche, ich wußte, daß ich heute bei irgendeinem Mann übernachten würde! Das tat ich auch! Ich schlief nicht mit diesen Männern, ich holte ihnen einen runter - Männer merken das gar nicht, daß du dich nicht anfassen läßt - und ich konnte anbucken, Haut spüren, in einem Arm einschlafen!
Eine ganze Weile bin ich rumgelaufen und habe die Männer, die sich auf eine ganz normale Art und Weise für mich interessierten, als Hühnerficker bezeichnet! Ich hatte Männerhaß und den ließ ich auch raus, oftmals unangemessen! Ich habe mich oft entschuldigen müssen!
Mit 26 Jahren sagte meine Therapeuten mal zu mir, daß alle Männer, mit denen ich eine Beziehung einging, die ja immer nur 3 - 4 Moonate andauerte und ich darunter litt, alle etwas gemeinsam haben müßten. Ein großes Rätsel! Erst mit 38 Jahren wußte ich, was es war! Sie waren alle viel schwächer als ich! Schwächer, damit sie mir nichts tun konnten! Auf der anderen Seite haben sie mich aber auch immer genervt, weil ich immer für alles verantwortlich war! Zum Schluß war ich immer froh, ja, es war immer eine große Erleichterung, daß ich sie los war! Ich machte immer Schluß! Männer waren Würstchen für mich!
Heute bin ich 42 Jahre alt! Es hat sich Vieles gebessert, manches ist total verheilt! - Ich laufe nicht mehr mit dieser inneren Kampfeslust durch das Leben! Obwohl ich das immer noch kann, wenn ich Seelenqual ganz anderer Art habe! - Meine verbalen Angriffe auf Männer haben sich geändert, ich nehme sie jetzt mehr auf den Arm, statt sie massivst anzugreifen und zu beschimpfen. - Ich lebe jetzt seit 3 3/4 Jahren in einer Beziehung und das ist meine Längste! Ich konnte viel Vertrauen aufbauen, kann Nähe zulassen, meine Sexualität wird immer besser, weniger durch mich bestimmt, sondern ich kann geschehen lassen, was da geschieht........
Es geht, es ist zu schaffen!
Aber nichts täuscht darüber hinweg, daß man dabei Jahre verliert, daß man immer älter wird, daß die Schwierigkeiten und negativen Gefühle einen immer wieder mal packen und ein Stück bodenlos machen!
Ich spüre manchmal eine diffuse Angst, meinen Partner durch irgendwas zu verlieren! Klar gibt es dafür auch immer einen Anlaß, einen Auslöser, ein Gespräch oder so was! Aus heiterem Himmel kommt das dann nicht! Aber ich kann dann nicht über meine Angst reden, ich nehme sie als Angstgefühl nicht einmal wahr! Ich suche dann auch keine Nähe, ich schimpfe, dann will ich die Beziehung verlassen, ich stoße Gerhard dann weg, er soll mich in RUhe lassen, ich will um Gottes Willen dann nicht auch noch angefaßt oder getröstet werden! Am Anfang unserer Beziehung war das viel schlimmer, ich zitterte, rastete total aus, konnte diesen Menschen nicht mal mit mir im Zimmer ertragen!
Und das alles schon so gut geworden ist, verdanke ich auch ihm! Er ist derjenige, der mich trotzdem immer wieder in den Arm nimmt, mich annimmt, mir seine Liebe gibt! Es tut gut, gehalten zu werden und eine Hand beschützend auf meinem Kopf zu spüren! Da bin ich dann wohl ein kleines Kind! Ein Kind, was nie groß geworden ist!
Gerhard und ich sind uns dessen bewußt! Auch Gerhard (kein Mißbrauchsopfer) durfte nie weinen, Schwäche zeigen im Leben, hat immer Angst, sich mit mir zu streiten, weil er dann sofort die Beziehung baden sehen geht! Wir trösten uns gegenseitig und durften miteinander schon so herrlich wachsen, weil der andere da war und den anderen immer wieder auch angenommen hat! Weil wir uns trotzdem lieben und uns das zeigen und sagen können, weil wir offen reden können, weil jeder seine Traurigkeit, seinen Schmerz, seine Wut, seine Unfähigkeiten, seine Stärken, seine guten Seiten, ja eben alles zum Ausdruck bringen kann und weil dabei nichts verloren geht von unserer Liebe!
Ich glaube, es ist ganz wichtig, zu erkennen, daß man manchmal das kleine Mädchen ist, was seinen "Papa" braucht, was getröstet, in den Arm genommen werden will, wenn auch wortlos! Wir alle haben das erlebt, jede von uns auf andere Art und Weise! Jeder Schmerz ist anders und doch so ähnlich oder gleich, was es mit uns in unserem Frausein gemacht hat!
Ich glaube, daß es wichtig ist, das alles zuzulassen, was es aus uns gemacht hat! Im Zulassen und dem nochmals durchleben, gesunden wir, verheilen die Narben, hat alles eine Chance zu verheilen! Ich glaube, daß wir im Zulassen erkennen können, daß es uns heute nicht mehr passieren kann, weil wir heute erwachsen sind und das sich darüber auch unsere Ängste auflösen können!
Aber es ist mühsam! Und manchmal hasse ich es, immer noch nicht fertig zu sein, immer wieder mich auch quälen zu müssen mit meinen Unfähigkeiten!
Aber wenn ich dann sehe, womit sich andere Menschen herum quälen, Dinge, die für mich niemals auch nur ein Problem wären, dann finde ich mich ziemlich gut!
Wir sind stärker, als die anderen! Wir sind sensibler, als die anderen! Wir müssen nur lernen, unsere Stärken nicht mehr gegen uns selbst zu richten (tot machen für andere, alles für andere tun, nur nichts für uns selbst! Uns hilflos und schwach fühlen, wenn uns die Gefühle überrollen, statt zu ihnen zu stehen!)
Ich habe jetzt eine 3jährige Überlastungsdepression hinter mir (habe auch noch ein ADHS (stark hyperaktives) Kind! Das alles war zuviel in meinem Leben! Nur gegeben, nie bekommen! Ich war so alle, so leergepumpt, ich wollte nicht mehr!
Aber das ist vorbei! Ich werde nie die Ausgelassenheit in Person sein, die selbstvergessen irgendwas Schönes tut! Aber ich male wieder, gehe zur Wassergymnastik,nehme wieder am Leben teil! Und manchmal sitze ich am Fenster, die Sonne scheint ja jetzt manchmal schon so toll! Dann fühle ich Glück und Zufriedenheit! Die Sonne ist warm und ich darf das spüren und ich darf das genießen! Freude, Glück, Zufriedenheit findet (leider) sehr in mir drin statt (nicht nach außen oder Ausgelassenheit)! Ist für andere oft dann nicht einschätzbar, oder wahrnehmbar! Aber ich bin glücklich, daß ich das alles überhaupt empfinden kann und unendlich dankbar!
Und über eines bin ich mir so klar wie nichts! Es sind die Kleinigkeiten (großen Dinge für uns), die mich mit Glück und Dankbarkeit erfüllen! Am letzten Wochenende habe ich mit Gerhard auf dem Sofa Sex gehabt! Ohne einen sicheren Ort (Bett), ohne einen Schutz (Decke), ohne meine 2. Haut (hatte keine Sachen da, die ich danach hätte anziehen können, um nicht nackt und entblößt zu sein)! Für andere ist das selbstverständlich und ich darf jetzt immer mehr an der Selbstverständlichkeit teilnehmen!
In meiner Kur habe ich eine Frau aus Berlin kennengelernt, die immer den Arm um mich legte und sagte: Irgendwann gucken wir aus dem Fenster und sagen: Das Leben ist schön!
Das ist jetzt 3 Jahre Therapie und Depression her! Und ich gucke immer öfter aus dem Fenster und darf es spüren! Das Leben ist schön!
Danke, daß Ihr mir zugehört habt! |