| Die Rückkehr der Zärtlichkeit *triggert* | 09.08.2003 07:16 | | Name | Birte | 1995 wurde unsere Tochter geboren, danach hörte ich auf, mit meinem Mann zu schlafen. Zunächst dachte ich, es läge an der Geburt, die sehr schwer war, mein Mann hatte viel Verständnis und beide dachten wir „das wird schon wieder“.
Es wurde nicht wieder, im Gegenteil, im Sommer 1996 war es soweit gekommen, dass ich seine Nähe überhaupt nicht mehr ertragen konnte. Unsere Ehe drohte daran zu zerbrechen, er hatte das Gefühl, es lege irgendwie an ihm und ich war völlig ratlos und verzweifelt. Einige male quälte ich mich dadurch (ich bin prima im schauspielern) weil ich dachte, es „Müsse“ ja unbedingt sein und ich wollte ihn nicht verlieren.
Im Herbst 1996 kamen die ersten Erinnerungen hoch an meinen Missbrauch, die Welt stürzte ein und das Leben wurde unerträglich. Ich sagte ihm, dass ich möchte, dass er mich verlässt, ich hatte das Gefühl ich könne mich niemandem mehr zumuten und vor allem hatte ich das Gefühl, ich könne niemals mehr S*x haben. Schon der Gedanke daran verursachte Panik. Er blieb und er versicherte mir, er liebe mich so sehr, dass er damit leben könne, unsere Beziehung sei viel mehr als das und ich müsse keine Angst haben.
Es folgten schlimme Jahre, eine zeitlang (bevor ich in Therapie ging) war es so schlimm, dass ich es nicht einmal mehr ertragen konnte, neben ihm in unserem Doppelbett zu liegen, ich konnte es nicht ertragen, ihn atmen zu hören, oder eine Bewegung zu spüren. In dieser Zeit trug er jeden abend meine Matratze runter ins Wohnzimmer (mein Wunsch) und jeden morgen zurück. Nachdem ich 8 Monate in einer Klinik war, wurde wenigstens das besser.
Monatelang waren alle Gefühle abgestorben, das ging soweit, dass ich nicht mal mehr fühlte, dass ich meinen Mann und auch mein Kind, liebte. Ich war verzweifelt. Dann folgte eine weitere schlimme Zeit in der die rein körperlichen Lustgefühle zurückkamen. Ich ertrug es nicht, ich hatte Erinnerungen an einen Täter, der es regelmäßig schaffte mir (einem Kind) solche Gefühle zu machen) Es durfte nicht sein, ich schämte und verachtete mich dafür und ich bekämpfte diese Gefühle auf brutalste Weise.
So ging das Jahrelang weiter ohne Aussicht auf Änderung (mein Gefühl). Mein Mann und ich führten unsere Ehe weiter, er war mein treuer Begleiter durch all die schwere Zeit, er rührte mich nie an, an gab mir nicht eine Sekunde das Gefühl, ich würde ihm etwas vorenthalten worauf er ein Recht hätte, er sagte auch niemals, ich warte bis du von selbst willst oder so was, ich hatte niemals das Gefühl unter Druck zu stehen, er machte mir kein schlechtes Gewissen, nicht für eine Sekunde.
In dieser Atmosphäre konnte ich heilen, ich machte Therapie und ganz ganz langsam bekam ich das Leben wieder in den Griff, die Depressionen wurden weniger und wenn ich mal wieder in ein Loch fiel, war er an meiner Seite und suchte mit mir im Dunkeln das Licht. Für mich war immer noch klar, dass es S*x in meinem Leben nicht mehr geben würde und es war ok für mich und auch für ihn.
Vor etwa etwa einem Jahr änderte sich was in meinen Gefühlen, mir ging es in jeder Beziehung viel besser und nun kehrten auch die körperlichen Gefühle zurück. Diesmal bekämpfte ich sie nicht, zunächst hielt ich sie erst einmal aus, ohne so recht zu wissen, was ich damit anfangen sollte. Es war nicht so, dass mich das ständig beschäftigte, es war halt ab und an mal da, trotzdem konnte ich mir auch weiterhin nicht vorstellen, dass sich etwas ändern würde.
In den letzten Wochen spürte ich dann eine Veränderung in mir, die mich gleichzeitig glücklich machte und mich furchtbar erschreckte. Mein Kopf sagte mir immer noch NEIN du willst das nicht, mein Bauch meinte schon längst was ganz anderes. Ich hatte Angst, ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich machte Andeutungen bei meinem Mann und er freute sich darüber aber unternahm nichts (zum Glück).
Erst als ich mit jemandem ausserhalb meiner Familie aber meinem Herzen ebenso nah, sprach, platzte der Knoten (so fühlte sich das wirklich an) und mit einemmal gab es Einigkeit in Kopf und Bauch und ich wagte den ersten Schritt.
Ich habe meine S*exualität wiedergefunden, meine Weiblichkeit ist wieder bei mir. Nach 8 Jahren ist es wunderbar wie am ersten Tag und ich hätte NIE NIE NIEMALS gedacht, dass das zu schaffen ist.
Ich bin glücklich.
Birte
|
|