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Es ist zu schaffen

Wir möchten an dieser Stelle Eure Berichte über Fortschritte bei der Heilung veröffentlichen, um anderen Mut zu machen und zu zeigen, daß Heilung möglich ist.
Auch wenn es im Einzelfall nur kleine Schritte sein sollten, so sind es doch wichtige Schritte und wir bitten Euch, sie uns zu schicken.

Bitte gebt hier Eure Berichte ein. Diese werden dann innerhalb weniger Tage von uns freigeschaltet.
Falls dies einmal nicht klappen sollte, wendet Euch bitte an Webmaster Eric.
Habt bitte Verständnis dafür, daß wir an dieser Stelle nur Berichte veröffentlichen, die zum Thema "Es ist zu schaffen" passen.



Titel
Zur Person (nicht notwendig, nur wenn Ihr wollt!)
Name
E-Mail
Website
Text

Zufriedenheit20.09.2003 00:06
Name Andrea
E-Mail AClemensgmx.li
Hallo, Ihr Lieben.

Ich wollte unbedingt was schreiben, jetzt weiss ich nicht, wie ich anfangen soll.
Ich bin vor 7 Jahren vergewaltigt worden, es war der erste Sex meines Lebens. Der Typ war der Mann, in den ich über beide Ohren verknallt war, und sein Freund. Er hat gewußt, dass ich ihn mochte, und er hat mich einfach verkauft.
Ich bin damit nicht klar gekommen, habe mir massenweise Bewziehungen gesucht und habe ein Kind bekommen. Danach habe ich angefangen, mich selbst zu verletzen und mir Männer zu suchen, die das für mich tun, die mir Schmerzen und Verletzungen zufügen. Dabei ist es nicht geblieben, einer dieser Leute hat mich auf den Strich geschickt und ordentlich vermöbeln lassen. Und es kam mir richtig vor, ich habe gedacht, ich hätte es verdient. Nicht, weil ich was getan habe, sondern weil ich so war wie ich war.
Der Versuch, mir eine Therapeutin zu suchen, schlug fehl. Mit ihrem emanzipierten "Frauen sind immer Opfer der Männer" konnte ich nichts anfangen. Erst einmal stimmt es nicht, und dann hilft es mir auch gar nicht weiter.
In einem wenig jugendfreien Chatroom, den ich dazu genutzt habe, mir Kunden zu suchen, habe ich meinen späteren Freund kennengelernt. Er hat mir zugehört, mich nie moralisiert und war immer für mich da. Er ist immer noch mein Partner.
Ich habe viel Hilfe von der Kirche bekommen, war kurz in einem Kloster, habe einige e-Mails gewechselt und viel geheult.
Ich habe meinen Zuhälter in die Wüste geschickt. Es war einfacher, als ich dachte. Nicht mehr selbst nach Männern zu suchen, die mich mißhandeln, ist mir schwer gefallen. Es war wie eine Sucht, und ich war auf Entzug. Ich habe es gehaßt, aber ich habe auch nicht ohne gekonnt.
Ich habe mir einen männlichen Psychotherapeuten gesucht, war schwerer, als ich gedacht habe. Es ist eine gute Geschäftsverbindung, nicht viel gejammer, kein "es tut mir leid", kein Moralisieren, dafür sehr viel Nachdenken, was sehr schwer ist. Ich habe nicht mehr das Gefühl, dass mich alle anstarren, dass mich die Fotos, die von mir gemacht wurden, anschreien, dass mein Körper nach der Mischung nach Sperma und Schweiss riecht, die ich damals gerochen habe und von der ich jahrelang der Überzeugung war, dass sie an mir klebt und in mir klebt und niemals mehr von mir getrennt werden könnte. Jetzt weiss ich es besser.

Die Therapie dauert nun fast ein Jahr, und bald bin ich sozusagen fertig. Die Halluzinationen sind weg. Ich weiss, dass es geschehen ist und auch, was danach geschehen ist, und manchmal werde ich nur traurig. Trotzdem ist in mir eine tiefe Zufriedenheit und auch das Bewußtsein, dass mir die Vergewaltigung etwas positives genutzt hat. Ich war noch nie so stark wie jetzt, und ich weiss, dass mich nichts unterkriegen wird, so schlimm es auch sein mag.

Ich bin gerne mit meinem Freund zusammen. Am Anfang war es erst Abwehr, dann ein "es geschehen lassen", weil ich ihn gerne hatte. Jetzt habe ich manchmal Lust auf ihn, nicht so oft wie er, aber so, dass es für uns beide in Ordnung ist.

Ich habe einen wunderbaren Mann und ein phantastisches Kind und gerade mein Studium abgeschlossen. Ich fange bald an zu arbeiten und werde nächstes Jahr heiraten.

In mir ist eine tiefe Zufriedenheit. Aber das musste ich erst lernen.

Das Leben ist schön - ich habe es nur so lange nicht gemerkt.

Andrea

Mein liebster Ort29.08.2003 08:11
Name Andrea
Hallo ihr Lieben,

eigentlich wollte ich nichts schreiben, denn so gut geht es mir noch nicht. aber ich habe doch schon einiges geschafft. unter anderem suche ich seit 15 Jahren einen Therapeuten und habe endlich einen gefunden, bei dem ich bleiben will und der auch mit meiner Dissoziation umgehen kann. (ICh hoffe es). Und ich habe einen Ort gefunden oder mir erarbeitet, der für mich früher der schrecklichste war. früher war für mich das Bett ein schrecklicher Ort an dem das alles passierte was mich so hat kaputt gehen lassen. Aber mit viel Imaginationsarbeit und einfacher Ignoranz habe ich mir das Bett wieder zu einem heimeligen und kuscheligen Ort erobert. Ich liebe es darin zu liegen und zu schlafen. Daher habe ich auch kaum mehr Schlafstörungen. ich gehe abends ins Bett und bin froh den Tag überstanden zu haben und die Belohnung dafür ist es, sich ins Bett fallen zu lassen und endlich die Augen schließen zu können.

Also ihr alle, dies ist ein Anfang. Man braucht nicht nur innere gute Räume sondern auch im richtigen LEben Sicherheit und Ruhe.

Anda

Mein Vater war der Täter09.08.2003 14:10
Name Michaela
Ich wurde von meinem 5 bis zum 13 Lebensjahr von meinem sexuell missbraucht.
Heute bin ich 30 jahre alt und Mutter von 2 Töchtern. Vor 10 jahren hätt ich mir nie gedacht, dass ich das mal schaffen würde. Ein " normales" Leben mit Kindern,derzeit solo, und ganz "normale" Lust auf Sex. Ich weiss, das es Betroffene gibt, die es auch nach langer Zeit noch schwer haben, aber ich weiss, dass alle irgendwann wieder ruhig und gut schlafen können. Und leben!

Klar es ist ein harte und langer Weg, aber es geht!
Heute sehe ich sehr oft nur die positiven Seiten des Lebens, auch wenn mich ab und zu noch Rückschläge plagen; ich mich wieder mal mit der Vergangenheit auseinandersetzen muss; der Versuch ohne di "Geisel Vergangenheit" zu leben ist mir gut gelungen. Und das mit Hilfe einer guten Therapeutin, viele und lange Gesrpräche. Die ich auch heute noch in Anspruch nehme, wenn es sein sollte.

Die Rückkehr der Zärtlichkeit *triggert*09.08.2003 07:16
Name Birte
1995 wurde unsere Tochter geboren, danach hörte ich auf, mit meinem Mann zu schlafen. Zunächst dachte ich, es läge an der Geburt, die sehr schwer war, mein Mann hatte viel Verständnis und beide dachten wir „das wird schon wieder“.

Es wurde nicht wieder, im Gegenteil, im Sommer 1996 war es soweit gekommen, dass ich seine Nähe überhaupt nicht mehr ertragen konnte. Unsere Ehe drohte daran zu zerbrechen, er hatte das Gefühl, es lege irgendwie an ihm und ich war völlig ratlos und verzweifelt. Einige male quälte ich mich dadurch (ich bin prima im schauspielern) weil ich dachte, es „Müsse“ ja unbedingt sein und ich wollte ihn nicht verlieren.

Im Herbst 1996 kamen die ersten Erinnerungen hoch an meinen Missbrauch, die Welt stürzte ein und das Leben wurde unerträglich. Ich sagte ihm, dass ich möchte, dass er mich verlässt, ich hatte das Gefühl ich könne mich niemandem mehr zumuten und vor allem hatte ich das Gefühl, ich könne niemals mehr S*x haben. Schon der Gedanke daran verursachte Panik. Er blieb und er versicherte mir, er liebe mich so sehr, dass er damit leben könne, unsere Beziehung sei viel mehr als das und ich müsse keine Angst haben.

Es folgten schlimme Jahre, eine zeitlang (bevor ich in Therapie ging) war es so schlimm, dass ich es nicht einmal mehr ertragen konnte, neben ihm in unserem Doppelbett zu liegen, ich konnte es nicht ertragen, ihn atmen zu hören, oder eine Bewegung zu spüren. In dieser Zeit trug er jeden abend meine Matratze runter ins Wohnzimmer (mein Wunsch) und jeden morgen zurück. Nachdem ich 8 Monate in einer Klinik war, wurde wenigstens das besser.

Monatelang waren alle Gefühle abgestorben, das ging soweit, dass ich nicht mal mehr fühlte, dass ich meinen Mann und auch mein Kind, liebte. Ich war verzweifelt. Dann folgte eine weitere schlimme Zeit in der die rein körperlichen Lustgefühle zurückkamen. Ich ertrug es nicht, ich hatte Erinnerungen an einen Täter, der es regelmäßig schaffte mir (einem Kind) solche Gefühle zu machen) Es durfte nicht sein, ich schämte und verachtete mich dafür und ich bekämpfte diese Gefühle auf brutalste Weise.

So ging das Jahrelang weiter ohne Aussicht auf Änderung (mein Gefühl). Mein Mann und ich führten unsere Ehe weiter, er war mein treuer Begleiter durch all die schwere Zeit, er rührte mich nie an, an gab mir nicht eine Sekunde das Gefühl, ich würde ihm etwas vorenthalten worauf er ein Recht hätte, er sagte auch niemals, ich warte bis du von selbst willst oder so was, ich hatte niemals das Gefühl unter Druck zu stehen, er machte mir kein schlechtes Gewissen, nicht für eine Sekunde.

In dieser Atmosphäre konnte ich heilen, ich machte Therapie und ganz ganz langsam bekam ich das Leben wieder in den Griff, die Depressionen wurden weniger und wenn ich mal wieder in ein Loch fiel, war er an meiner Seite und suchte mit mir im Dunkeln das Licht. Für mich war immer noch klar, dass es S*x in meinem Leben nicht mehr geben würde und es war ok für mich und auch für ihn.

Vor etwa etwa einem Jahr änderte sich was in meinen Gefühlen, mir ging es in jeder Beziehung viel besser und nun kehrten auch die körperlichen Gefühle zurück. Diesmal bekämpfte ich sie nicht, zunächst hielt ich sie erst einmal aus, ohne so recht zu wissen, was ich damit anfangen sollte. Es war nicht so, dass mich das ständig beschäftigte, es war halt ab und an mal da, trotzdem konnte ich mir auch weiterhin nicht vorstellen, dass sich etwas ändern würde.

In den letzten Wochen spürte ich dann eine Veränderung in mir, die mich gleichzeitig glücklich machte und mich furchtbar erschreckte. Mein Kopf sagte mir immer noch NEIN du willst das nicht, mein Bauch meinte schon längst was ganz anderes. Ich hatte Angst, ich wusste nicht, was ich tun sollte, ich machte Andeutungen bei meinem Mann und er freute sich darüber aber unternahm nichts (zum Glück).

Erst als ich mit jemandem ausserhalb meiner Familie aber meinem Herzen ebenso nah, sprach, platzte der Knoten (so fühlte sich das wirklich an) und mit einemmal gab es Einigkeit in Kopf und Bauch und ich wagte den ersten Schritt.

Ich habe meine S*exualität wiedergefunden, meine Weiblichkeit ist wieder bei mir. Nach 8 Jahren ist es wunderbar wie am ersten Tag und ich hätte NIE NIE NIEMALS gedacht, dass das zu schaffen ist.

Ich bin glücklich.

Birte

Teil meines Lebens19.07.2003 18:04
Name Wölkchen
E-Mail Schoenwetterwoelkchenweb.de
In der sechsten Klasse ist ein Mädchen neu hinzugekommen, wir haben uns bald angefreundet. Wir hatten die selben Interessen; besonders Verband uns unsere Liebe zu Pferden. Ein bisschen später waren wir die besten Freunde. Ein halbes Jahr später begann meine Freundin die Schule zu schwänzen, sie hatte ein anderes Mädchen kennen gelernt. Ein oder zwei Wochen später (sie war immer noch nicht wieder in der Schule gewesen) hat sie mich mit diesem anderen Mädchen am Schulbus abgefangen. Sie haben mich mit der Erklärung "reden" zu wollen, in eine Nebenstraße gelotst. Als erstes hielten sie mir eine Gaspistole vor die Nase und erklärten mir, das sei eine echte Pistole und wenn ich weglaufen würde, würden sie mich erschießen. Danach lasteten sie mir irgendwelche Lügen an die ich angeblich verbreitet hätte, was aber nicht stimmte. Es war eigentlich nur ein Vorwand. Danach haben sie angefangen mich auf einem Hinterhof zu schlagen und zu treten. Ich erinnere mich noch, das eine ältere Frau aus einem Fenster geguckt hat und gefragt hat, was los ist. Die beiden anderen haben "Nichts!" geantwortet und die Frau verschwand wieder. Sie muss mitbekommen haben, was los war!
Danach haben mich meine "beste Freundin" und das andere Mädchen in einen großen Park gebracht, ich musste ja immer mitgehen. Im Park haben sie mich wieder geschlagen getreten (sie sind mehr oder weniger auf mir rumgetreten muss man schon sagen), gedemütigt, beleidigt, Erdbeer-Deo in meinen Mund gesprüht. Ich musste eine Zigarette rauchen, ich habe heute immer noch aufgrund dessen eine starke Abneigung gegen das Rauchen. Etwas später haben sie mich gezwungen, mich in einen See zu setzten. Es war Januar und verdammt kalt.
Nass und dreckig wie ich war haben die beiden mich in einen Bus geschleppt und sind in Richtung Reiterhof gefahren. Im Bus hat auch niemand etwas bemerkt oder gesagt. Auf dem Weg dorthin haben sind wir in ein Waldstück gegangen. Dort musste ich mich ausziehen, in einem Bach wälzen, wurde wieder getreten, geschlagen, sie haben mir mit einem Zirkel aus meinem Rucksack das Gesicht zerkratzt. Außerdem haben sie mir angedroht, mich auf dem Heuboden des Reiterhofes einzusperren, bis zum nächsten Tag oder wann auch immer.
Alles zusammen muss wohl an drei Stunden gedauert haben.
Sie haben mich dann zu dem Hof gebracht (per Anhalter) und sich dann sche*ß freundlich um mich gekümmert. Sie haben mich in die Badewanne gesteckt, mir etwas neues zum Anziehen gegeben, meine Mutter angerufen und sich eine Geschichte ausgedacht, die ich erzählen sollte. Als meine Mutter da war und die Polizei, wer auch immer sie gerufen hat auch, habe ich ihnen die ganze "Goodnight-Story" erzählt: Mir wäre nach der ersten Stunde in der Schule schlecht gewesen, wäre dann nach Hause gegangen aber unterwegs von typen in ein Auto gezerrt worden und die hätten mich dann so zugerichtet.
Später auf der Polizeiwache habe ich dann die Wahrheit erzählt. Mein ganzer Körper war überseht von Prellungen und Blutergüssen. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch keine Vorstellungen, wie sich das auf mein Leben auswirken würde. Zunächst habe ich nur an die körperlichen Folgen gedacht.
Der Direktor meiner damaligen Schule hat mich eine Woche beurlaubt, hat darum gebeten, das der Öffentlichkeit vorzuenthalten. Um den guten Ruf seiner verdammten Schule wegen. ich bin nach diesem Vorfall ein halbes Jahr in psychologischer Betreuung gewesen, danach noch ein ein halbe
Ich hatte in den folgenden zwei Jahren Panikattacken, wenn ich alleine an Gruppen von Jugendlichen. ich konnte nicht alleine mehr zum Bus, meine Mutter musste mich von der Schule abholen, ich habe meinen anderen Freunden zeitweise auch misstraut. Am schlimmsten war es jedoch immer, wenn ich alleine durch die Stadt gehen musste.
Später bin ich in der Klasse auch gemobbt worden, weil ich nicht dem modischen Schönheitsideal entsprach, weil ich nicht immer seien wollte wie alle anderen. das Mobbing hat sich bis in die Anfänge der zehnten Klasse erstreckt. Das ging besonders von einer Person aus, mit der ich schon seit dem Kindergarten in irgendeiner Weise zusammen bin, später in der Grundschule und dann in der Realschule. Genauso lange dauert ungefähr auch unsere Feindschaft, einige Unterbrechungen gab es aber schon, aber die waren nie von längerer Dauer.
Mit meinen Eltern konnte ich nie offen über meine Probleme reden, denn ich hatte immer das Gefühl, ein „großes“ Mädchen seinen zu müssen und nie schwach sein zu dürfen. So hab ich mich in meine Einsamkeit verzogen. In der neunten Klasse habe ich die meisten Nachmittage zusammengerollt und depressiv auf meinem Bett liegend verbracht, in düstere Gedanken versunken und voller Angst vor dem nächsten morgen in der Schule. Ich habe ungefähr in der siebten Klasse mit SVV begonnen, heute ist das fünf Jahre her.
Ich bin heute auf einer anderen Schule und habe in der Klasse dort gut Fuß gefasst. Ich habe neue Freunde gefunden, mein Selbstbewusstsein ist auch wieder stärker geworden. Ich kann heute wieder problemlos alleine durch die Stadt gehen, ohne gleich in Panik auszubrechen. Nur melden und vor großen Gruppen sprechen kann ich als Folge des Mobbings noch nicht gut. manchmal habe ich Angst, ausgelacht zu werden, Getuschel zu ernten. Aber auch darüber werde ich mit der Zeit hinwegkommen. Ich habe jetzt wieder das Gefühl, das mein Leben lebenswert ist und schaffe es immer öffter, aus meinem "Schneckenhaus" herauszukommen.
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