Stationen eines nicht alltäglichen Lebens! Wie viel kann ein Mensch ertragen? Mit diesem Artikel möchte ich jedem, der es bislang nicht geschafft hat, über das was er/sie erlebt hat zu reden oder zu schreiben Mut machen. Ich möchte Mut machen, denn Ihr seit nicht allein! Es gibt so viele, die ähnliches erlebt haben wie Du und ich! Behalt es nicht für Dich, helfe Dir und anderen damit. Mir hilft es immer wieder zu sehen und zu hören, mir geht es nicht allein so. Ich möchte aufmerksam machen. Aufmerksam darauf, wie man sich fühlt, was man erlebt, wie man versucht das erlebte zu verdrängen.
An die ersten Jahre meiner Kindheit kann ich mich nicht persönlich erinnern. Aber meine Mutter hat mir zu einem späteren Zeitpunkt selbst erklärt, das es so war.
Alles begann damit, das ich am 25.02.1959 in R. als "Wonneproppen" zur Welt kam, denn ich was 61 cm groß und wog 14 Pfund. Schon bald nach meiner Geburt verlor meine Mutter das Interesse an mir. Folge war, daß ich mit 6 Monaten in ein Heim kam. Mit knapp einem Jahr kam ich dann zu Pflegeeltern. Allerdings war ich auch nicht lange. Nach einem weiteren "Zwischenstopp" im Heim, kam ich zu meinen Urgroßeltern. Doch irgendwie mußte ich eher "unterbewußt" schon einen "seelischen Knacks" bekommen haben. Denn obwohl ich es bei meinen Urgroßeltern wirklich gut hatte - sie taten alles für mich - fiel es mir schwer, mich zu freuen oder Spielkameraden zu haben. Als ich dann eingeschult wurde, wurde es auch nicht besser. Die anderen Kinder aus der Klasse mieden mich. Es wollte kaum jemand mit mir spielen. Schnell entwickelte ich mich zum "Einzelkämpfer" . Da ich aber eher ängstlich und schüchtern war, hatten andere Kinder Schwierigkeiten mit mir etwas anzufangen. Trotzdem gab es nichts, was ich mir mehr gewünscht hätte. Wenn andere Kinder mich ärgerten, rief ich nach meinem Opa. Schnell hatte ich den Namen "Opaschreier" weg. Dann mit 9 Jahren hatte ich endlich einen Freund. Wir unternahmen viel miteinander. Doch mit 10 Jahren sagten meine Urgroßeltern, sie seien zu alt für meine weitere Erziehung. Meine Oma stellte meine Mutter vor die Wahl: Entweder ich käme in ein Heim, oder meine Mutter müsse Ihre Verantwortung wahrnehmen. Meine Mutter, inzwischen zum 3. Mal verheiratet, nahm mich zu sich. Es sollten die 6 schlimmsten Jahre meiner Kindheit werden. Meine Mutter und mein Stiefvater waren beide berufstätig und arbeiteten in Schichtarbeit. Ich wurde ein "Schlüsselkind", denn ich war alt genug, um auf mich selbst "aufzupassen". Damit allerdings völlig überfordert, begann ich etliche "Dummheiten" zu machen. In der Schule fing ich an mich zu "profilieren", indem ich begann, im Unterricht mehr "Blödsinn" zu machen als andere. Ich machte mich "beliebt" dadurch, daß ich Geschenke mitbrachte, die ich aus Geldmangel "klaute". Meine Mutter sagte immer, wenn sie erfuhr, was ich wieder mal "verbrochen" hatte: "Warte nur bis Dein "Vater" nachhause kommt." Wenn er dann zuhause war, bekam ich erst mal eine ordentliche Tracht Prügel. Nicht das er mich mit der Hand verdroschen hätte. Nein, er nahm den "erstbesten" Gegenstand, der ihm in die Finger kam (mal einen Spazierstock, mal seinen Gürtel oder einen Teppichklopfer u.ä.). Aufgrund meiner "Schandtaten" waren in dem Haus, in dem wir wohnten, außer meinem Kinderzimmer und dem WC sämtliche anderen Räume abgeschlossen. Mein Brot (sofern meine Mutter dran dachte) stand vor meiner Zimmertür. Dann - eines Tages - es war auf einen Samstag, kam mein Stiefvater in mein Zimmer. Ich dachte ich sollte wieder mal "Dresche" kriegen. Statt dessen hielt er mir den Mund zu und sagte, wenn ich tue, was er wolle, würde er mich nicht schlagen.
Es war kurz vor meinem 11. Geburtstag und ich wußte nicht, was er meinte. Er begann an mir "rumzufummeln". Dann holte er Vaseline. Ich hatte panische Angst und konnte dennoch nicht schreien. Ich will die "Einzelheiten" hier nicht weiter erläutern. Er vergewaltigte mich. Von dem Zeitpunkt an, kam er immer wieder in mein Zimmer, wenn er "Lust" dazu hatte.
Ich begann mich zu verändern. In der Schule wurde ich zum "Schläger", wenn jemand ein falsches Wort zu mir sagte, schlug ich einfach zu. Ich fing an zu rauchen und Alkohol zu trinken. Mit 12 Jahren dann eine Alkoholvergiftung - fast der Exitus. Ich lag 3 Tage im Delirium auf der Intensivstation. Eigentlich wünschte ich mir nur ich wäre tot. Aber es sollte nicht sein. Ich überlebte und meine Qual ging weiter. Eines Tages - ich war inzwischen 13 Jahre - erwischte meine Mutter "uns" inflagranti, als mein Stiefvater es mit mir "trieb". Anstatt, daß der Horror jetzt ein Ende gefunden hätte, entgegnete meine Mutter nur: "Jetzt habe ich Dich in der Hand!" Wie es mir dabei ging interessierte sie überhaupt nicht. Das meine Mutter meinen Stiefvater "in der Hand" hatte, lag dran, dass er Grieche war und damals noch ihr "Wohlwollen" benötigte, um die Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung verlängert zu bekommen. Meine Mutter nutzte diese Situation bestens zu ihrem "Vorteil". Sie distanzierte sich zwar von meinem Stiefvater, aber sie ließ sich nicht scheiden. Vielmehr hatte sie so Gelegenheit sich neue Bekanntschaften zu suchen. Wenn meine Mutter wieder mal betrunken war, weil ihr jeweiliger "Freund" nicht kam, holte sie mich oft noch spät abends, teilweise sogar nachts, aus dem Bett. Ich sollte ihren Freund suchen. Sie gab mir dann Geld und rief ein Taxi. Anfangs tat ich das auch, später behielt ich das Geld einfach und sagte ihr, ich hätte den Freund nicht gefunden.
Mein Stiefvater kam jetzt regelmäßig am Wochenende zu mir ins Zimmer.
Meiner Mutter war das egal und ich wusste nicht, was ich tun sollte.
Um dieses Leben überhaupt ertragen zu können, begann ich Drogen zu nehmen. Ich suchte mir ältere "Freunde", mit denen ich Feten mit Alkohol und Tabletten feierte. Die Schule wurde für mich zur "Nebensache". Ich schwänzte zunehmend den Unterricht, bis ich irgendwann fast gar nicht mehr zur Schule ging. Die "blauen Briefe", die ins Haus kamen, unterschrieb ich selber. Ich bin in der 9. Klasse von der Schule abgegangen ohne Abschluss. Nach zwei gescheiterten Versuchen eine Berufsausbildung zu machen, gab ich diese Absicht auf. Ich arbeitete als Hilfsarbeiter. Inzwischen war ich "seelisch" am Ende. Ich trank regelmäßig, nahm Drogen und verprasste mein Geld mit "Zocken". Mit fast 15 Jahren machte ich dann einen Berufsförderungslehrgang mit. Ich gab mir Mühe und schaffte sogar meinen Hauptschulabschluss. Kurz vor meinem 16. Geburtstag starb erst meine Urgroßmutter. Knapp drei Monate später mein Urgroßvater. Irgendwie fühlte ich mich allein gelassen. Das beste an dem "Lehrgang" war, dass ich 80 km von "zuhause" entfernt war. Mein Stiefvater konnte mir nichts tun, und meine Mutter war auch nicht da.
Ich blühte wieder auf. Seit langer Zeit konnte und durfte ich wieder Kind sein. Doch es sollte der Tag kommen, an dem ich wieder "nachhause" kam. Hatte ich die Hoffnung gehabt, in der Zwischenzeit hätte sich etwas geändert, so war das nicht der Fall. Was sich geändert hatte war, dass aus dem "Opaschreier" der "Draufhauer" wurde. Eines Tages war es dann soweit. Mein Stiefvater kam wieder einmal zu mir ins Zimmer, um mich zu "benutzen". Ich hatte mir inzwischen ein Klappmesser gekauft. Ich schrie meinen Stiefvater an: "Wenn Du mir zunahe kommst, stech ich Dich ab!" Völlig überrascht und erschrocken verlies er mein Zimmer.
Ich nahm mir vor, dass mir niemand mehr wehtut.
Kurze Zeit später, nach einem Riesenkrach mit meiner Mutter zog ich aus. Sie gab mir folgenden Satz mit auf den Weg: "Du bist ein Verbrecher und aus Dir wird auch nichts anderes als ein Verbrecher werden. Für mich sollten diese 6 Jahre aus meinem Gedächtnis verschwinden. Immer wenn ich daran dachte, ging ich "zocken" oder "kiffte" mir die "Birne" zu. Dann endlich war es soweit, ich wurde 18 Jahre. Meine "Eltern" hatten mir nichts mehr zu sagen, ich war "frei". Kurze Zeit später las ich ein Inserat: "Junge Leute für leicht erlernbare Tätigkeit gesucht." Ich rief an und es wurde mir eine Bahnfahrkarte hinterlegt. Ich fuhr nach Trier.
Endlich weg, unabhängig, frei. Ich landete in einer "Drückerkolonne". Nach anfänglichen Schwierigkeiten lernte ich mich durchzusetzen. Schon bald war ich der "Beste" in der Kolonne. Nach ca. 1, 5 Jahren in der "Kolonne" baute ich mir selber eine auf. Durch meine neue "Aufgabe" schaffte ich es, von Drogen und Alkohol "wegzukommen". Allerdings erhöhte sich in gleichem Maße mein "Spielkonsum". Ich lernte Gefühle nicht mehr zuzulassen, es sei denn, ich hätte einen "Vorteil" dadurch. Ich baute mir eine Kolonne mit 9 Leuten auf. Ich identifizierte mich zunehmend mit meiner "Arbeit", so dass ich in einer anderen Welt lebte. Immer wenn Gedanken an meine "Kindheit" hoch kamen, ging ich spielen. Ohne es wirklich bewusst zu merken, begann ich mich vom "Opfer" zum "Täter" zu entwickeln. Schon längere Zeit, hatte ich Gefühle, egal ob positiver oder negativer Art "verdrängt". Einfach "Schublade" auf und rein mit allem, was mir in irgendeiner Art wehtun könnte. Mein Verhalten anderen gegenüber wurde "kalt" und berechnend. So etwas, was andere Menschen mit Gewissen bezeichneten, hatte ich "abgelegt", denn damit wäre ich ja wieder verletzlich gewesen. Vielmehr begann ich damit andere Menschen zu verletzen. Beim "Klinkenputzen" erzählte ich den Menschen "herzergreifende" Geschichten. Meine "Mitarbeiter" trieb ich an, mehr "Produktion" zu bringen. Wenn ich in die Disco ging, schmiss ich mit dem Geld nur so um mich. Was zur Folge hatte, daß ich viele Frauen um mich herum hatte. Regelmäßig "schleppte" ich eine ab. Aber schon nach einer Nacht hatte sich die "Maus" erledigt. Was mir jedoch nicht auffiel, daß ich dabei war, anderen "heimzuzahlen" was ich erlebt hatte.
Ich war "kalt" wie Eis. Durch meinen Beruf - ich nannte mich "Selbstständiger Handelsvertreter" - kam ich sehr bald in "zwielichtige Kreise". Ich machte eine "Menge" Geld und schon bald war ich auch in der "Unterwelt" bekannt. Was folgte, waren nächtliche "Eskapaden" im "Rotlichtmilieu". Mit 24 Jahren hatte ich eine "funktionierende Kolonne von 11 Drückern, die mir das nötige Geld "ranschafften". Da ich jedoch regelmäßig spielte, kam es vor, daß ich an einem Tag mehr als 1000, - DM "verzockte". Ich brauchte eine neue "Einnahmequelle". Was lag näher, als meine Kontakte zur "Unterwelt" zu nutzen. Ich begann eine zweite "Karriere" als "Hehler". Ich kaufte und verkaufte gestohlene und in Versandhäusern bestellte Ware. Außerdem machte ich Einbrüche, um meine Sucht zu finanzieren. Ich fing auch wieder mit Drogen an. Anfangs war es "nur" Haschisch, doch schon bald sollte es Kokain werden. In der "Zwischenzeit" war ich so "kaputt", daß ich alles tat, um an Geld zu kommen. Für ca. 6 Monate "verkaufte" ich meinen Körper als "Gesellschafter" (Callboy). Schnell "diente" ich mich auch dort hoch. Eine neue "Einnahmequelle" war wieder geschaffen. Jedoch ging ich nicht mehr selber "anschaffen". Sondern ich wurde, was man im "Volksmund" Zuhälter nennt. Jetzt hatte ich zum einen 2 "Miezen", die für mich "ackerten". Ferner hatte ich 11 "Drücker", die "Scheine" für mich schrieben. Das "Geschäft" als Hehler lief auch "gut". Ergo hätte es mir "sehr gut" gehen können. Wäre auch so gewesen, wenn, ja wenn mein "Lebenswandel" ein anderer gewesen wäre. Was jedoch auf der "Strecke" blieb, war alles, was irgendwie mit "Gefühl" zu tun hatte. Sobald jemand mir "zu nahe" kam, "blockte" ich ab. Ich "teilte" verbal aus, indem ich mein "Gegenüber" so "fertig" machte, daß er nicht mehr wusste, ob er "Junge" oder "Mädchen" war. Ich verstand es sehr gut, anderen meine Meinung so "aufzudrücken", daß sie schon bald meiner Meinung waren. Bei denjenigen, bei denen es nicht "funktionierte", die kamen auch nicht wieder. Das hatte zur Folge, dass ich so gut wie keine "Freunde" hatte. Mal abgesehen von meinen "Freunden" aus dem "Milieu" und der "Unterwelt". Mittlerweile kam ich so gut in "meiner" Welt zurecht, daß ich dachte, daß alles bin Ich. Ich wurde vom "Opfer" zum "Täter"!
Aber war ich das wirklich?
Wenn ich meine Situation und mein Verhalten jetzt betrachte, weiß ich nicht, was ich damals war! Eines jedoch weiß ich genau, ich habe mich, meine Gefühle und meine Seele "verkauft"! Allerdings sah ich das damals keineswegs so. Vielmehr habe ich versucht, niemanden so nahe an mich heran zu lassen, daß er/sie mich hätte "verletzten" können. Ich stumpfte mehr und mehr ab. Jede Gefühlsregung wurde von mir jäh gestoppt. Ich weiß nicht mehr genau, wie viele Menschen, die mir eigentlich nur helfen wollten, ich damals mit meinem Verhalten verletzt habe. Aber es waren zu viele. Denn jeden, der ehrlich versucht hat mir zu helfen, habe ich verletzt. Einige davon sind mittlerweile gestorben. Ihnen möchte ich zurufen: "Verzeiht mir!" Vermutlich wäre mein Leben anders verlaufen, wenn ich schon früher auf diese lieben Menschen gehört hätte. Aber ich konnte nicht anders. Es wäre alles so "weiter gelaufen", wenn es nicht eine entscheidende Wende in meinem Leben gegeben hätte.
Es war Buß- und Bettag 1989.
Eigentlich lag ich wie immer an solchen Tagen in meinem Bett, langweilte mich. Denn die Spielhallen hatten geschlossen und "Hasch" hatte ich auch keines mehr. Aus Langeweile schaltete ich den Fernseher an. Was dann passierte, ist so "unbegreiflich und unfaßbar", daß mir fast die Worte fehlen. Glaubte ich bislang "nur" an mich und das, was ich sehen konnte, machte ich eine ganz neue Erfahrung! Ich schaute einen katholisch-christlichen Spielfilm. Zuerst dachte ich: "Mach doch den Scheiß aus!" Aber irgendwie konnte ich es nicht. Dann geschah es! Das erste Mal in meinem "verkorksten" Leben spürte, fühlte ich: Da ist jemand, der liebt mich wie ich bin. Er liebt mich mit all meinen Fehlern und Schwächen, die ich habe. Er stößt mich nicht weg! Sagt nicht zu mir: "Mit Dir will ich nichts zu tun haben!" Nein! Er, damit meine ich Gott, zeigt mir, daß Er mich liebt. Das erste Mal nach 16 Jahren, seit dem Tod meiner Urgroßeltern, konnte ich von Herzen weinen. Etwas, was ich schon verloren geglaubt hatte, kam plötzlich "hoch". Ich wurde von meinen eigenen Gefühlen "überwältigt". Ich wollte ein "neues Leben" beginnen. Ich gab meine alte Umgebung, meine "Existenz" auf und zog von Hamburg zurück nach Osnabrück. Hatte ich die große "Erwartung" mein Leben würde sich von "Grund auf" ändern, wurde ich schon bald auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Ich stellte fest, mein "altes" Leben bestimmte mich noch immer. Ich wußte nicht, wie ich damit umgehen sollte. Hatte ich doch jetzt so etwas, was man "Gewissen" nennt. Einer war mir klar: Ich wollte raus aus diesem Kreislauf! Ich beschloß wegen meiner Spiel- und Drogensucht eine Therapie zu machen. Das war 1991. Ich ging in eine christliche Therapieeinrichtung. Allerdings hielt ich es dort nur knapp 5 Monate aus. Ich brach die Therapie ab. Denn als es dazu kam, in Einzel- und Gruppengesprächen ans "Eingemachte" zu gehen, verschloß ich mich wieder. Ich war noch nicht bereit, die Ursache meiner Sucht - meine Vergangenheit - aufzuarbeiten. Es folgten 8 weitere Jahre voller "Höhen und Tiefen". Zwischendurch gab es einige Phasen, in denen ich Clean war. Dennoch schaffte ich es nie ganz von meiner Sucht "frei" zu werden. 1999 entschloß ich mich erneut eine Therapie zu machen. Ich ging nach Fehmarn in eine christliche Therapie. Was folgte waren 6 Monate, in denen alles wieder hochkam, was ich erlebt hatte. Im Oktober 1999 wurde ich dann entlassen. Ich zog zurück nach O. Damals war ich fest davon überzeugt, daß es der richtige Weg für mich war. Jedoch sollte ich mich auch diesmal getäuscht haben. Hörte ich doch wieder nur auf mich! "Vergaß" ich doch Gott zu bitten, mit den richtigen Weg zu zeigen. Mir zu zeigen, welches denn mein Weg sein sollte. Es kam, wie es kommen mußte. Ich wurde wieder "rückfällig". Völlig deprimiert und mit der Welt am "Ende", zeigt mir Gott, daß es einen anderen Weg gibt. Aber es war nicht nur Gott, der mir immer wieder half, es waren auch viele Menschen die an mich glaubten, die mir die Hoffnung und den Mut auf ein neues Leben gaben. Im Juli 2000 gab Gott mir die Kraft, mit meinen inzwischen 41 Jahren, zurückzugehen nach F. und eine "Rückfallbehandlung" zu machen. Meine eigene Kraft hätte dafür nicht ausgereicht. Jedoch durfte ich in der Therapie "hautnah" erleben, das Gott an meiner Seite war. Wenn ich auch bislang oft "hart" und "gefühllos" gewesen bin, taute ich jetzt auf. Wenn ich sonst ein Mensch gewesen bin, der von seinem "Verstand" regiert wurde, lernte ich mehr und mehr Gefühle zuzulassen und zu leben. Am 5. Dezember 2000 war mein letzter Tag in der Therapie. Ich bekam ein Abschiedsfrühstück, bei dem es einige Tränen und gute liebe Worte für meinen weiteren Weg gab. Ich zog bei "Christian" ein. Wir hatten eine 2er WG, denn ich wollte nicht den Fehler machen, gleich wieder eine eigene Wohnung zu nehmen. Bis zum 21. Februar wohnte ich mit Christian zusammen. Allerdings: in meinem Herzen schlummerte immer noch die "Hoffnung", einmal eine Frau zu finden, die mich versteht. Die mich liebt, wie ich bin. Diese Hoffnung hatte ich fast schon aufgegeben. Denn wer will schon einen "Zocker" und "Drogensüchtigen". Doch dann passierte etwas, was ich kaum noch für möglich gehalten hätte. Ich lernte hier übers Internet im Februar 2001 C. kennen. Seit dem 21. Juni 2001 bin ich mit dem wundervollsten Menschen, der mir je begegnet ist, verheiratet. Hatte ich bislang geglaubt, daß wenn mich überhaupt jemand lieben kann, es eigentlich nur Gott sein kann, so werde ich doch tagtäglich eines Besseren "belehrt". Denn mein Schatz liebt mich! Es hat seitdem wir uns kennen auch schon manchen Tränen und manchen Streit gegeben. Dennoch haben wir es immer wieder geschafft darüber zu reden. Durch meine Frau schaffe ich es Heute wenn auch nicht immer so doch schon viel viel öfter als früher über meine Gefühle zu reden. Es sind Menschen hier im Internet, die mir den Mut und die Kraft geben, meinen Weg weiter zu gehen. Ich weiß, der Weg wird steinig sein, ich werde sicher auch noch so manches Mal straucheln. Aber ich werde auch Dank Euch nicht aufgeben, denn Ihr macht mir den Mut dazu.
Auch wenn der Alltag nicht immer "rosig" ist! Steh zu dem was Du erlebt hast, lass den "Kopf" nicht hängen, gib nicht auf! Denn irgendwo, auch wenn Du noch nicht siehst wo, gibt es Menschen, die zu Dir stehen, gibt es Menschen, denen Du nicht egal bist, gibt es Menschen, die Dich lieben wie Du bist. Es gibt auch Menschen, die brauchen Dich.
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